Hunderte Menschen haben in Berlin am Samstag zum ersten Jahrestag bundesweiter Flüchtlingsproteste für mehr Rechte demonstriert. Unter dem Motto „Revolution der Flüchtlinge“ („Refugees' Revolution“) zogen sie von einem Protestcamp am Oranienplatz in Kreuzberg aus durch die Innenstadt. Die Polizei sprach von mehreren Hundert Teilnehmern, ein Sprecher der Veranstalter dagegen von mehr als tausend Menschen.

Die Flüchtlinge forderten eine schnellere Arbeitserlaubnis sowie die Abschaffung der Residenzpflicht. Auf Transparenten war etwa „Grenzenlose Freiheit!“ oder „The border exists only in your head!“ (deutsch: Die Grenze existiert nur in Deinem Kopf!) zu lesen. Nach Veranstalterangaben sollte es international Solidaritätsveranstaltungen geben, so in Amsterdam und Bologna.

Beginn in Würzburg

Im März 2012 hatten Flüchtlinge in Würzburg als erste ein Protestcamp errichtet. Von dort verbreitete sich die Aktion in viele deutsche Städte. Die Würzburger Gruppe zog im Herbst in einem Protestmarsch nach Berlin, wo einige Flüchtlinge zwischenzeitlich auch am Brandenburger Tor in einen Hungerstreik getreten waren.

In einem Offenen Brief kritisierten die Veranstalter den Umgang der Behörden mit Flüchtlingen im Vorfeld der Demonstration. So hätten etwa Behörden keine Urlaubsscheine ausgestellt. Damit sei Flüchtlingen aus anderen Bundesländern die Anreise zu der Aktion nach Berlin verwehrt gewesen. Auch die Bundespolizei habe im vergangenen Jahr immer wieder Gewalt gegen Flüchtlinge angewendet. Ein Sprecher der Bundespolizei wollte die Vorwürfe ohne eine Prüfung nicht kommentieren.