Die Polizei wird am Sonnabend im Großeinsatz sein. Wegen mehrerer Demonstrationen werden zahlreiche Straßen gesperrt. Nach Informationen der Berliner Zeitung ist die Polizei mit 18 Hundertschaften unterwegs, die unter dem Kommando der für Friedrichshain-Kreuzberg und Neukölln zuständigen Direktion 5 stehen.

Der Tag steht unter anderem ganz im Zeichen eines vor 20 Jahren erstochenen Punks. Am Nachmittag zieht die alljährliche Gedenkdemonstration für den im Jahr 1992 von Neonazis getöteten Hausbesetzer Silvio Meier durch Friedrichshain und Lichtenberg.

Neonazis nehmen den 20. Jahrestag ihrerseits zum Anlass, die linksradikale Szene zu provozieren. Der Berliner NPD-Landesvorsitzende Sebastian Schmidtke meldete für den Mittag eine Demonstration durch den Süden Neuköllns an, um gegen eine geplante Unterkunft für Flüchtlinge zu protestieren, die in der August-Froehlich-Straße geplant ist.

Die NPD hat nach eigenen Angaben bereits tausende Flugblätter gegen das Asylbewerberheim verteilt. Der Veranstalter der Demonstration, die gegen 12 Uhr am U-Bahnhof Rudow beginnen soll, rechnet mit 100 Teilnehmern.

300 Gegendemonstranten

Gegen den Aufzug wurde von Parteien, Bürgerinitiativen und linken Gruppen eine Gegendemonstration mit etwa 300 Teilnehmern angemeldet. Die Polizei schließt nicht aus, dass die Zahl überschritten wird, weil bereits seit Wochen bundesweit nach Berlin mobilisiert wird. Bundesweit gibt es Treffpunkte an Bahnhöfen und Busstationen. Neben der Gegendemonstration sind auch drei stationäre Kundgebungen unter Slogans wie „Ja zu Flüchtlingen – Nein zu Rassisten“ sowie „Kein Bleiberecht für Nazis und Rassisten“ geplant.

Gegen 15 Uhr soll dann in Friedrichshain die Silvio-Meier-Gedenkdemo starten, zu der die Veranstalter 3000 Teilnehmer erwarten. Sie soll nach Lichtenberg in den Weitlingkiez ziehen, vorbei an von den „Autonomen Nationalisten“ genutzten Vereinsräumen in der Lückstraße.

An der Lück-, Ecke Wönnichstraße hat wiederum NPD-Chef Schmidtke zur selben Zeit eine Kundgebung angemeldet. Die Polizei richtet sich darauf ein, dass es in Rudow und auch in Friedrichshain oder Lichtenberg zu Ausschreitungen kommen könnte. „Wir sind gut aufgestellt“, sagte ein Polizeisprecher am Freitag. Mit Hinblick auf die Neonazi-Demos sagte er: „Wir müssen aber auch das Grundrecht auf Versammlungsfreiheit durchsetzen.“