Prozess: 26-jähriger Berliner soll seine Frau gedroht, gewürgt und ihr ins Auge gestochen haben

Ein wenig erinnert der Anfang der Geschichte, die Josef A. am Mittwoch vor dem Landgericht Berlin erzählt, an die Königskinder, die nicht zusammenfinden. Josef A. spricht von der großen Liebe. Er hatte Zeinab vor vier Jahren bei Facebook kennengelernt, dann traf man sich heimlich in Marzahn. Weit weg vom heimischen Neukölln, damit die große, streng nach dem Islam lebende Familie der damals 16-jährigen Zeinab nichts ahnte von den verbotenen Rendezvous.

Doch von der Liebe ist nichts geblieben. Das Paar, das nach der Verlobung noch immer nicht allein sein durfte und im Februar 2014 nach islamischen Recht heiratete, ist längst wieder geschieden. Nun sitzt Josef A. auf der Anklagebank. Der Staatsanwalt wirft dem 26-Jährigen gefährliche Körperverletzung, versuchte schwere Körperverletzung und versuchte Nötigung vor. Josef A. soll im September 2015 seiner Frau mit einem Autoschlüssel mehrfach in das linke Auge gestochen haben. Laut Anklage habe er ihr damit die Sehfähigkeit nehmen wollen. Zeinab A. habe sich wegdrehen können. Sie trug klaffende Wunden am Auge und Ohr davon. Zudem soll Josef A. seine Frau heftig gewürgt und deren Vater bedroht haben.

Josef A. erzählt von den Schwierigkeiten, die es in den Familien gab, als er um Zeinabs Hand anhalten wollte. Das größte Problem der Verliebten war offenbar irgendwann das Geld. Für Zeinab forderte deren Familie ein Brautgeld von 8 000 Euro, das Josef A. nach eigenen Angaben auf die Hälfte herunterhandeln konnte. Dazu kam noch Gold im Wert von 7 000 Euro. Seine Verwandten hätten ihm von der Frau abgeraten und auch die finanzielle Unterstützung versagt.

"Es ging ganz schnell, ich habe zugestochen"

Der Angeklagte erzählt von seiner ungeklärten Staatsangehörigkeit, weswegen er auch keine Arbeitserlaubnis habe. Die Geldsorgen seien immer stärker geworden. Für Zeinabs Vater war er das schwarze Schaf, weil er seine Familie nicht ernähren konnte. Zwei Wochen nach der Hochzeit musste Josef A. eine Haftstrafe antreten. Offenbar hatte er dies zuvor verschwiegen.

Bei einem Freigang passierte es. Das Paar saß im Auto. Zeinab A. soll ihren Mann als verantwortungslos und Hurensohn beschimpft haben. „Es ging ganz schnell, ich habe zugestochen“, sagt Josef A. Er könne sich die Tat selbst nicht erklären.

Zeinab A. trägt Kopftuch, sodass man die Narbe am linken Ohr nicht sehen kann. Das linke Auge, das monatelang geschwollen und blau gewesen sei, schmerze noch immer, erzählt die 20-jährige medizinische Fachangestellte dem Gericht. Als ihr Mann in Haft gekommen sei, habe sie alles allein stemmen müssen: ihre Ausbildung beenden, eine Wohnung anmieten, Möbel kaufen. „Alles habe ich finanziert“, sagt sie. Von ihrem Mann sei nichts gekommen.

Am Tattag habe Josef A. sie angelogen. Es sei wieder um Geld gegangen. „Ich habe ihm gesagt, dass er in meinen Augen kein richtiger Mann ist.“ Da sei er wütend geworden, habe zugeschlagen. Nach der Tat sei er weggerannt. Ihrer Mutter habe er am Telefon erzählt, sie, Zeinab, hätte Schlimmeres verdient.