Es war eine Festnahme in letzter Minute. Tayfun T. und Jasmin P. wollten am 30. Dezember vergangenen Jahres in Schönefeld ein Flugzeug besteigen und in die Türkei fliegen. Weg aus Berlin, vermutlich für lange Zeit. Doch gegen 12.50 Uhr nahmen Ermittler der 2. Mordkommission gemeinsam mit Bundespolizisten das Pärchen am Flughafen fest. Tayfun T. und Jasmin P. galten als dringend tatverdächtig, die 55-jährige Marianne M. ermordet zu haben.

Ab kommenden Donnerstag müssen sich der 37-jährige Mann und die zehn Jahre jüngere Frau vor einer Schwurgerichtskammer des Berliner Landgerichts verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen Mord und Vergewaltigung vor. Sie sollen am 21. Dezember ihre in Reinickendorf lebend Bekannte Marianne M. über einen längeren Zeitraum zu Tode gequält und die Frau mit einem Gegenstand vergewaltigt haben. Marianne M. sei spätestens in den frühen Morgenstunden des 23. Dezember an ihren schweren Verletzungen gestorben, so die Staatsanwaltschaft.

Leiche in Decke gerollt

Die Angeklagten sollen die Leiche nach der Tat in eine Decke gerollt und so aus der Wohnung bis auf die Straße geschleift haben. Dort sollen sie die Tote einfach vor einem Bauschuttcontainer in der Fehmarner Straße abgelegt haben. Eine Passantin entdeckte das Stoffbündel am 23. Dezember gegen 8.30 Uhr. Die Frau wurde stutzig, sie alarmierte die Polizei. Die Beamten einer Funkstreife fanden in der Decke die tote Frau. Die Obduktion ergab, dass Marianne M. durch massive Gewalteinwirkung gestorben war.

Offenbar hatten die beiden Tatverdächtigen ihr Opfer über das Internet kennengelernt - in einem Internetforum, in dem sich Menschen mit speziellen Sexvorlieben verabreden. Später sollen sich die drei in einer eigens für das Treffen angemieteten Wohnung getroffen haben, in der Marianne M. auch zu Tode kam.

Der 36-jährige Tayfun T. ist der Polizei aus der Drogenszene vom Kottbuser Tor bekannt und nach Angaben der Ermittler bereits polizeilich erheblich in Erscheinung getreten.

Für den Prozess hat die zuständige Schwurgerichtskammer insgesamt elf Verhandlungstage terminiert. Ein Urteil könnte demnach am 13. September gesprochen werden.

Der öffentliche Prozess beginnt um 9.30 Uhr im Saal B 129 des Kriminalgerichts Moabit in der Turmstraße 91.