Die Sicherheitsvorkehrungen für diesen Prozess um vier mutmaßliche Drogenhändler, der an diesem Mittwoch beginnt, sind enorm. Der Vorsitzende Richter der 18. Jugendkammer rechnet mit einem großen Andrang von Journalisten. Angeklagt sind vier Männer im Alter von 18 bis 42 Jahren. Raad A., Abbas R. und Younis El-H. stammen aus dem Irak. Ahmad S., der vierte Angeklagte, ist Syrer.

Raad A., Abbas R. und Younis El-H. sollen sich laut Anklage der Generalstaatsanwaltschaft Berlin spätestens im September 2016 zu einer Bande zusammengeschlossen und arbeitsteilig Betäubungsmittel erworben, aufgeteilt und gewinnbringend verkauft haben. In einem Fall sollen die Männer im September 2016 insgesamt 1,6 Kilogramm Haschisch gekauft, portioniert und weitergegeben haben.

Mit Bombe gedroht

Die Anklage geht davon aus, dass der aus Syrien stammende 28-jährige Ahmad S. im Februar oder März des vergangenen Jahres zu der Gruppe stieß. Das Quartett soll daraufhin im Frühjahr 2017 etwa 500 Gramm Kokain erworben, wiederum in Portionen aufgeteilt und an Kunden weitergegeben haben.

Bei seiner Festnahme am 5. April des vergangenen Jahres am U-Bahnhof Kottbusser Tor in Kreuzberg soll Ahmad S. auf seinen muslimischen Glauben verwiesen und gegenüber den Polizeibeamten gedroht haben, sie und die anwesenden Menschen mit einer Bombe zu töten.

Drogenhändler wie die vier Angeklagten sitzen im Kriminalgericht häufig auf der Anklagebank. Allein die Vorwürfe, die Angeklagten hätten bandenmäßig mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge gehandelt und den öffentlichen Frieden gestört, hätten wohl nicht zu den erhöhten Sicherheitsvorkehrungen im Gericht geführt.

Vom Gefährder zum Drogenhändler

Vielmehr sorgte Fall der drei Iraker wegen ganz anderer Vorfälle für Schlagzeilen. Sie gelten als Gefährder, hatten offenbar für die Terrormiliz Islamischer Staat gekämpft. Verhaftet wurden sie aber lediglich wegen ihrer Drogengeschäfte. 

Ein Jahr nach dem Terroranschlag vom Breitscheidplatz kam Younis El-H., den das Landeskriminalamt offenbar erst im Mai 2017 als terroristischen Gefährder eingestuft hatte, auf freien Fuß. Der Grund: das Kammergericht hatte die zu lange Untersuchungshaft moniert. Normalerweise dürfen nicht mehr als vier Monate zwischen der Anklageerhebung und der Eröffnung der Hauptverhandlung liegen. Im Fall von Younis El-H. war die Frist nur wenig überzogen worden - um fünf Tage.

Younis El-H. ist noch immer auf freiem Fuß. Das Kammergericht hatte zunächst auch die Haftbefehle gegen Raad A. und Abbas R. aufgehoben. Doch diese beiden Angeklagten blieben weiterhin in Haft, weil auch die Bundesanwaltschaft ein Verfahren gegen sie führt - offenbar geht es dabei um den Verdacht auf Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung und Kriegsverbrechen.

Für das Verfahren gegen das mutmaßliche Drogenhandel-Quartett sind bis Ende Juni insgesamt 27 Verhandlungstermine vorgesehen.

Der öffentliche Prozess beginnt am Mittwoch um 9.15 Uhr in Saal 700 des Kriminalgerichts Moabit in der Turmstraße 91.