Prozess der Woche: Der Kindermörder Keith M., der im Gefängnis zuschlug

Diesmal soll es klappen. Diesmal soll der verurteilte Kindsmörder Keith M. Sicherungsverwahrung bekommen. Am kommenden Freitag muss sich der 29-Jährige vor dem Landgericht Berlin verantworten. Wieder einmal. Die Staatsanwaltschaft wirft dem jungen Mann, der mit 16 Jahren aus purer Lust am Töten zum Mörder wurde, Körperverletzung und Erpressung vor.

Und diesmal hofft die Anklagevertretung, dass Keith M., der seine zehn Jahre Jugendhaft wegen Mordes längst abgesessen hat, zwei Jahre Haft oder mehr bekommt. Und dass das Gericht damit die unbefristete Sicherungsverwahrung verhängen kann.

Keith M. soll am 24. Mai des vergangenen Jahres in der Justizvollzugsanstalt Tegel, wo er seine Strafen absitzt, seinen Mitgefangenen Alex Luke R. verprügelt haben - einen offenbar notorischen Dieb.

Er schlägt sofort zu

Im Streit um Tabak habe Keith M. seinem Opfer mit der Faust ins Gesicht geschlagen, heißt es. Zudem soll der Mörder den Verpügelten unter Drohungen zu einem Tauschgeschäft gezwungen haben: Jacke gegen Haschisch. Die Staatsanwaltschaft wirft Keith M. daher Körperverletzung und Erpressung vor.

Keith M. gilt auch nach mehr als 13 Jahren hinter Gittern weiter als gefährlich, er wurde im Gefängnis immer wieder gewalttätig. Er sei einer, der sofort zuschlage, sagt ein Beamter, der Keith M. seit Jahren kennt.

Gewalt zieht sich durch das Leben des 29-Jährigen. Der Sohn eines schwarzen Soldaten lernte seinen Vater nie kennen. Der GI soll bei einem Autounfall ums Leben gekommen, die Mutter von Keith M. in die USA gegangen sein. Ohne ihr Kind. Keith M. wuchs daher in Berlin bei seinen Großeltern auf.

Am 27. August 2005 quälte der damals 16-Jährige mit Tritten und Schlägen und einem Ast den siebenjährigen Christian aus der Zehlendorfer Nachbarschaft zu Tode. Er habe schon immer mal jemanden umbringen wollen, erklärte Keith M. im Prozess.

Aus reiner Lust am Töten

Im Juni 2006 wurde er vom Landgericht Berlin wegen Mordes zu zehn Jahren Haft verurteilt - damals die höchstmögliche Jugendstrafe. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass Keith M. den kleinen Jungen aus Frust und reiner Lust am Töten ermordet hatte.

Doch auch im Gefängnis hörte Keith M. nicht auf, gewalttätig zu sein, machte immer weiter. Er besaß Drogen, er beleidigte und bedrohte das Gefängnispersonal und verprügelte Mitgefangene. Neue Anklagen und „Nachschläge“ vor Gericht auf seine längst verbüßten zehn Jahren Haft hielten ihn vor weiteren Straftaten nicht zurück.

Zuletzt stand Keith M. Ende 2016 vor Gericht, weil er einen anderen Kindsmörder in der Knastdusche verprügelt hatte, dessen Tat ebenso schockierend gewesen war wie der Mord an dem kleinen Christian.

Prügel für anderen Mörder

Stefan J. hatte 2001 die zwölfjährige Ulrike aus Eberswalde vom Fahrrad gezerrt, missbraucht und ermordet. Dafür wurde er zu lebenslanger Haft verurteilt, die Richter erkannten zudem eine besondere Schwere der Schuld. Damit war eine Entlassung von Stefan J. nach 15 Jahre auf Bewährung ausgeschlossen.

Für den verprügelten Stefan J. bekam Keith M. eine zusätzliche Haftstrafe von nur 20 Monaten Haft aufgebrummt. Damit waren die formellen Voraussetzungen für die Sicherungsverwahrung nach der Haft nicht erfüllt. Sollte das Strafgericht diesmal Ansicht der Staatsanwaltschaft folgen, dann wäre Keith M. der jüngste Sicherungsverwahrte in der Berliner Justizgeschichte.

Für das neue Verfahren hat das Landgericht insgesamt acht Verhandlungstage vorgesehen. Ein Urteil gegen Keith M. könnte demnach am 7. August gesprochen werden.

Der öffentliche Prozess beginnt um 12 Uhr im Saal 806 des Kriminalgerichts Moabit in der Turmstraße 91.