Es ist ein Albtraum für jede Mutter. Das eigene Kind verschwindet. Entführt vom eigenen Vater, der sich mit der Tat vielleicht an der Kindesmutter wegen eines Sorgerechsstreits rächen will. So geschehen am Silvestertag des vorigen Jahres in Brandenburg. Damals verschwand die gerade einmal neun Monate alte Yasmina. Ihr Vater hatte das Baby von der in Gransee (Oberhavel) lebenden Mutter abgeholt. Für einen Ausflug, wie er sagte. Er versprach, das Kind spätestens am Neujahrstag zurückzubringen.

Doch der Vater brachte die kleine Yasmina nicht zurück. Deutschlandweit wurde nach dem vermissten Mädchen gesucht, deutschlandweit über ihr Schicksal berichtet. Zeitweise beteiligten sich bis zu 150 Polizisten an der Fahndung nach dem Baby. Zwei Wochen später wurde das Kind in den Niederlanden gefunden und ihr Vater festgenommen.

Bei der Geburt getrennt

Ab kommenden Mittwoch muss sich der 40 Jahre alte Zaharia F., Yasminas Vater, vor dem Landgericht Neuruppin verantworten. „Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann Geiselnahme und Entführung Minderjähriger vor“, sagt Gerichtssprecherin Iris le Claire. Zaharia F. soll das Kind zu seiner Schwester und seinem Schwager im niederländischen Herwijen gebracht haben, wo das Mädchen am 15. Januar von der Polizei unversehrt in Obhut genommen werden konnte.

Zaharia F. wurde festgenommen. Er sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Das Kind wurde zunächst dem Jugendamt Oberhavel übergeben. Die Polizei teilte damals mit, dass es sich bei Yasminas Eltern um Flüchtlinge handele. Yasminas Mutter, 18 Jahre alt, stamme demnach aus dem Nordkaukasus. Ihr Vater aus Syrien. Das Paar hatte sich nach der Geburt der Tochter getrennt. Zaharia F. zog nach Remagen in Rheinland Pfalz.

Mindestens fünf Jahre Haft bei Verurteiltung

Mit der Entführung der Tochter habe der Mann die Kindesmutter zwingen wollen, die Beziehung zu ihm wieder aufzunehmen, heißt es in der Anklage. Für den Prozess um die Entführung der kleinen Yasmina hat die 1. Große Strafkammer des Neuruppiner Landgerichts insgesamt fünf Verhandlungstage terminiert. Ein Urteil könnte demnach am 30. August gesprochen werden. Dem Mann drohen bei einem Schuldspruch mindestens fünf Jahre Haft. Für den ersten Verhandlungstag sind laut Gerichtssprecherin noch keine Zeugen geplant.

Der öffentliche Prozess beginnt am Mittwoch um 10 Uhr im Saal 2 des Neuruppiner Landgerichts in der Feldmannstraße 1 in Neuruppin.