Das Mädchen war fünf Jahre alt, als seine Mutter die Koffer packte. Heimlich, damit der Vater, der das alleinige Sorgerecht hatte, nichts mitbekam. Dann soll Claudia K. ihre Tochter nach Uruguay gebracht, später mit ihr nach Malta geflogen und dann in Thailand untergetaucht sein. Claudia K. war drei Jahre und drei Monate mit ihrem Kind im Ausland. Sie wurden schließlich auf einer Insel in Thailand aufgespürt. Das Kind kam zum Vater zurück, die Mutter wurde festgenommen und nach Deutschland ausgeliefert. Der Vorwurf: Kindesentziehung.

Deswegen wurde Claudia K. im November vorigen Jahres vom Amtsgericht Tiergarten zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten verurteilt. Doch gegen das Urteil legte Claudia K. Berufung ein, die an diesem Mittwoch vor dem Landgericht Berlin verhandelt werden soll.

Der Vater erhielt das Sorgerecht

In ihrem Urteil vom November vorigen Jahres führte die Amtsrichterin aus, dass Claudia K. zunächst das Sorgerecht für ihre Tochter hatte und nicht mehr wollte, dass der Kindesvater das Mädchen alle zwei Wochen sehen durfte. Claudia K. gab an, das Kind werde vom Vater missbraucht.

Ostern 2013 flog die Mutter deswegen mit der damals Fünfjährigen nach Uruguay. Bereits nach kurzer Zeit wurden Mutter und Tochter dort ausfindig gemacht. Sie mussten nach Deutschland zurückkehren. Ein Gericht erteilte dem Kindesvater das alleinige Sorgerecht.

Doch Claudia K. hielt sich offenbar nicht an die Entscheidungen des Familiengerichts. Im April 2014 brachte sie ihre Tochter erneut außer Landes. Zunächst nach Malta, wo sich die Kindesmutter in der deutschen Botschaft erfolgreich um einen neuen Reisepass für ihre Tochter bemüht haben soll. Dann flogen Mutter und Kind nach Thailand. Mittlerweile lag ein Haftbefehl gegen Claudia K. vor.

Zwei Kindesentziehungen

Die Einzelhandelskauffrau wurde schließlich in Thailand aufgespürt. Am 4. Juli des vorigen Jahres kam sie in Abschiebehaft. Zehn Tage später kehrte sie nach Deutschland zurück, da war die Tochter bereits wieder bei ihrem Vater. Die Amtsrichterin sagte in ihrem Urteil, dass die Missbrauchsvorwürfe gegen den Kindesvater an den Haaren herbeigezogen seien. Die Eltern hätten ihre Auseinandersetzung zu Lasten des Kindes ausgetragen.

Die 45-jährige Angeklagte sitzt noch immer in Untersuchungshaft. Ihr Anwalt hatte nach dem Prozess vor dem Amtsgericht erklärt, dass es wohl zwei Kindesentziehungen gegeben habe. Eine in Uruguay und eine in Thailand - als das Kind jeweils der Mutter weggenommen worden sei. Seit Juli 2017 sitzt sie in Untersuchungshaft.