Treptow - Er gilt als Geheimwaffe der Fahnder: der genetische Fingerabdruck. Immer wieder können die Ermittler alte, bis dato ungelöste Fälle, mit einem DNA-Abgleich klären. Weil am Tatort oder dem Opfer Spuren sichergestellt und asserviert wurden, die DNA enthielten. So konnte nun auch die Vergewaltigung eines 14 Jahre alten Mädchens im Jahr 1993 aufgeklärt werden. Am kommenden Freitag muss sich einer der drei mutmaßlichen Täter vor dem Landgericht Berlin verantworten. Ihn sollen damals in der Nähe des Tatorts sichergestellte Zigarettenkippen überführt haben.

In der Nacht zum 2. Juli 1993 hatte die 14-jährige Jugendliche zusammen mit ihrem ein Jahr älteren Freund offenbar mit Genehmigung der Eltern in einer Laube der Kleingartenkolonie Mariengrund in Treptow übernachtet, als drei Einbrecher in das Haus eindrangen. Die Männer waren in jener Nacht auf Diebestour. Sie sollen zuvor bereits in vier andere Gartenhäuser eingebrochen sein. Die drei Einbrecher bedrohten das junge Pärchen, dann sollen sie das Mädchen vergewaltigt haben. 24 Jahre nach dieser Tat sitzt nun ein 47 Jahre alter Mann auf der Anklagebank. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Vergewaltigung vor.

Der Angeklagte Mircea T. war zum Zeitpunkt der Tat 22 Jahre alt. Er hat seit vielen Jahren eine Familie und ist Vater von zwei Kindern. Er soll in seiner Vernehmung die Vergewaltigung eingeräumt und sich entschuldigt haben.

Kippen führen zur DNA

Schon vor Jahren konnten die beiden Mittäter des Angeklagten identifiziert und verurteilt werden. Von einem der Komplizen fand die Polizei in der Laube Fingerabdrücke, die ihn überführten. Der Mann wurde 1995 festgenommen und im Juli desselben Jahres nach einem Geständnis von einer Jugendkammer des Berliner Landgerichts wegen Vergewaltigung zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren verurteilt.

Der zweite Mittäter wurde im Jahr 2008 verhaftet. Er erhielt wegen Vergewaltigung in Tateinheit mit sexueller Nötigung eine Jugendstrafe von zwei Jahren und acht Monaten.

Mircae T. konnte zunächst nicht ermittelt werden. Doch dann kam den Beamten die gründliche Tatortarbeit von damals zugute. Die Spurensicherung hatte nach der Vergewaltigung des Mädchens auf einem Nachbargrundstück mehrere Zigarettenkippen sichergestellt. Sie führte die Fahnder über die an den Kippen herausgefilterte DNA schließlich zu Mircea T.

Europaweit zur Fahndung ausgeschrieben

Der Mann hatte offenbar im Mai 2014 in Paris einen Diebstahl begangen. Bei den dortigen Ermittlungen musste er eine Speichelprobe abgeben. Der Abgleich mit der deutschen DNA-Analyse-Datei führte im vorigen Jahr zu einem Treffer. Die DNA von den Zigarettenkippen stimmte mit der DNA der von Mircea T. in Paris abgegebenen Speichelprobe überein.

Der Mann soll daraufhin europaweit zur Fahndung ausgeschrieben worden sein. Im Mai 2017 wurde er in Dänemark festgenommen und nach Deutschland ausgeliefert.

Erstmals wurde die DNA eines Menschen am 10. September 1984 durch den Alex Jeffrey entschlüsselt. Der Erfolg des Briten galt als wissenschaftliche Revolution in der Kriminalistik. Bis dahin konnten Tatverdächtige lediglich über Blutgruppenuntersuchungen und Fingerabdruck-Analysen ermittelt werden.

Mit der entschlüsselten DNA aus einer Hautschuppe, einem Haar, Sperma oder Speichel konnten bis dahin scheinbar nutzlose Spuren vom Tatort oder an dem Opfer einer Person zugeordnet werden. Die DNA enthält die Erbinformationen. Sie ist in jeder Körperzelle vorhanden und weist bei jedem Menschen unterschiedliche Merkmale auf. Sie ist somit einmalig.

Urteil könnte noch im November fallen

Erstmals wurde 1987 ein Mörder mit Hilfe des genetischen Fingerabdrucks überführt. Er hatte in England ein 15-jähriges Mädchen vergewaltigt und ermordet. Später fanden die Fahnder heraus, dass der Mann schon 1983 eine Jugendliche umgebracht hatte.

In Deutschland konnte ein Fall im Jahr 1988 zum ersten Mal durch DNA gelöst werden: die Vergewaltigung und der Mord an einer 21-jährigen Frau aus der Neuköllner Silbersteinstraße. Damals stellten die Kriminaltechniker Spermaspuren des Vergewaltigers und Mörders am Tatort sicher. Hansjoachim R. konnte schließlich überführt werden. Er gestand schließlich die Tat und wurde zu lebenslanger Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt.

Die DNA-Analyse ist heute ein gängiges Mittel, um Tätern auf die Spur zu kommen. Mittlerweile bekommen die Berliner DNA-Spezialisten im Jahr Spuren von rund 24.000 Fällen auf den Tisch.

Für den Prozess gegen Mircea T. sind insgesamt zwei Verhandlungstage vorgesehen. Ein Urteil könnte bereits am 29. November fallen.

Der öffentliche Prozess beginnt am Freitag um 9 Uhr im Saal 217 des Kriminalgerichts Moabit in der Turmstraße 91.