Prozess der Woche in Berlin: Falscher Polizist stahl Touristen bis zu 4500 Euro

Berlin - Schon seit einigen Jahren warnt die richtige Polizei vor „falschen Kollegen“. Die dreisten Trickdiebe haben es dabei meist auf Touristen abgesehen. Die ausländischen Berlin-Besucher werden angehalten, dann wird ihnen erklärt, dass man sie jetzt nach Drogen durchsucht und ihre Geldbestände auf Falschgeld geprüft werden.

Dabei stehlen die oftmals aus Osteuropa stammenden Täter einen Teil des Geldes. Auch andere Großstädte vermelden diese Trickdiebmasche.  Den Tätern auf die Spur zu kommen, ist nicht ganz einfach. Denn sie schlagen nie an derselben Stelle zweimal zu.

Beobachtet von Zivilbeamten

In Berlin hatte die Polizei Glück. Zivilbeamten fiel Anfang Dezember vergangenen Jahres in der Johannisstraße in Mitte zwei Männer auf, die sich einem Touristen näherten und die die Taschen des Gastes kontrollieren wollten.

Die mutmaßlich falschen Kollegen der Zivilpolizisten bemerkten aber bald, dass sie beobachtet werden, sie sprangen in ein wartendes Fahrzeug und rasten davon. Die Zivilbeamten konnten den Wagen jedoch stoppen, die Männer festnehmen.

Angeklagt wegen Amtsanmaßung

Nun muss sich einer der „Polizisten“ vor dem Amtsgericht Tiergarten wegen schweren Bandendiebstahls und Amtsanmaßung verantworten. Der 41 Jahre alte Mugurel R. soll sich zusammen mit anderen Bandenmitgliedern zwischen April und Dezember des vergangenen Jahres insgesamt siebenmal als Polizeibeamter ausgegeben haben.

Dabei sollen sie das Geld von Touristen „überprüft“ und ihren Opfern erhebliche Mengen Geld entwendet haben. Das erste Mal soll Mugurel R. am 26. April in der Lietzenburger Straße in Charlottenburg als falscher Polizist aufgetreten sein. Dabei soll es einen Berlinbesucher aus Ägypten erwischt haben. Dem Mann soll der angebliche Polizeibeamte um 4500 Euro erleichtert haben.

Kenianer und Taiwaner "kontrolliert"

Im August traf es zunächst einen Kenianer am Lützowplatz, dem nach der Kontrolle 200 Euro und 200 US-Dollar gefehlt haben sollen. Fünf Tage später soll der Angeklagte einen Touristen aus Taiwan 1400 Euro aus der Geldbörse entwendet haben.

Ein Besucher aus Costa Rica fiel der Schwindel offenbar auf. Er soll nach der „Überprüfung“ in der Alten Jakobstraße in Kreuzberg die fehlenden 500 Euro zurückverlangt haben. Tags darauf soll der Angeklagte einem Gast aus Kuweit in der Leipziger Straße in Mitte 2100 Euro aus der Geldbörse genommen haben. Und rund eine Woche später soll Murugel R. in Charlottenburg einem Mann aus Ägypten 3200 US-Dollar gestohlen haben.

Bei seiner letzten mutmaßlichen Tat am 1. Dezember flog der angebliche Polizist auf. Richtige Kollegen nahmen den Mann nach einer Verfolgungsfahr fest. Ein Richter erließ Haftbefehl. Seitdem sitzt der Mann in Untersuchungshaft.

Bisher nur ein Termin vorgesehen

Für das Verfahren am Amtsgericht Tiergarten ist bisher nur ein Termin vorgesehen. Dass vor dem Amtsgericht verhandelt wird heißt, dass es keine Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe von mehr als vier Jahren kommen wird.

Der Prozess am kommenden Donnerstag beginnt um 12.30 Uhr im Saal 1002 des Amtsgerichts Tiergarten, Kirchstr. 6. Das Verfahren ist öffentlich.