Das Blumenmeer für den erschossenen Kadir D. in der Nähe des Kottbusser Tors in Kreuzberg war riesig. Fast zehn Meter lang und drei Meter breit erstreckte es sich an einem Zaun eines Spielplatzes an der Adalbertstraße.

Es war der Ort, an dem der 32-Jährige am Abend des 3. September 2016 erschossen wurde. Der mutmaßliche Täter drückte mit einer halbautomatischen Waffe mehrfach ab. Kadir D., Vater von drei Kindern, wurde viermal getroffen. Er starb wenig später bei einer Notoperation im Krankenhaus.

Ab Mittwoch muss sich der mutmaßliche Täter vor einer Schwurgerichtskammer des Berliner Landgerichts verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 24-jährigen Koray A. Mord aus Heimtücke vor. Kadir D. sei völlig arglos gewesen sein, als der mutmaßliche Schütze abgedrückt habe.

Opfer war Kiezgröße

Die Todesschüsse am Kottbusser Tor hatten damals für Aufsehen gesorgt. Kadir D. galt als Kiezgröße, der mit seiner kriminellen Vergangenheit als Mitglied einer Jugendgang längst abgeschlossen haben soll. An jenem Sonnabendabend, so hieß es damals, soll Kadir D. in einen Streit vermittelnd eingegriffen haben.

Bei der Auseinandersetzung soll es um Drogengeschäfte gegangen sein. Ermittler der Mordkommission bezweifelten damals jedoch, dass das Opfer unbeteiligt war und wirklich nur schlichtend in die Auseinandersetzung eingreifen wollte.

Der mutmaßliche Täter war nach den tödlichen Schüssen geflohen. Koray A. wird eine Nähe zum Rockerclub Hells Angels nachgesagt. Fotos auf seiner Facebookseite legen nahe, dass er offenbar ein Prospect (Anwärter) der Hells Angels im türkischen Istanbul war.

Festnahme in Bulgarien

Die Suche nach dem Mann blieb zunächst erfolglos. Offenbar hatte sich Koray A. noch in der Tatnacht ins Ausland abgesetzt. Drei Monate nach der Tat konnte der mutmaßliche Mörder in Bulgarien festgenommen und nach Berlin ausgeliefert werden.

Für den Prozess gegen Koray A. sind derzeit insgesamt 24 Verhandlungstage vorgesehen. Ein Urteil könnte im September gesprochen werden.

Der öffentliche Prozess beginnt um 9.30 Uhr im Saal 621 des Kriminalgerichts Moabit in der Turmstraße 91.