Berlin - Die Tat kann er nicht erklären. Es sei eine „Dummheit“ gewesen, antwortet Andy W. (22) auf die Frage des Vorsitzenden Richters, wie man dazu komme, ein Auto anzuzünden. Zusammen mit seinem Freund Thomas D. (23) muss sich der junge Mann seit Dienstag vor dem Amtsgericht Tiergarten wegen Autobrandstiftung verantworten. Die beiden Freunde sollen in der Nacht zum 4. November 2011 in der Lichtenberger Elli-Voigt-Straße einen Campingbus angezündet haben. Durch das Feuer waren im Innern des VW Propangasflaschen explodiert. Sieben weitere Fahrzeuge wurden dadurch zerstört oder beschädigt.

Die Männer, die noch in der Tatnacht festgenommen worden waren und seither in Untersuchungshaft sitzen, gestehen vor Gericht. Allerdings machen beide zum Tathergang unterschiedliche Angaben. Offenbar hatten sich D. und W. während der polizeilichen Befragungen gegenseitig belastet.

Sie berichten, am Abend den Geburtstag von Thomas D. mit drei weiteren Freunden auf einem nahe gelegenen Spielplatz nachgefeiert und dabei viel Alkohol getrunken zu haben. Sie hätten Bier, Wodka und Sangria kurz zuvor in einem Supermarkt gekauft. Beide erklären, sie seien deutlich angetrunken gewesen. Auf dem Fußweg nach Hause hätten sie den VW-Bus angezündet – „spontan“, wie Thomas D. aussagt.

Mit Schraubenzieher Fenster aufgehebelt

Die beiden Angeklagten machen einen verlegenen Eindruck, sehen ein wenig betroffen aus. D. trägt eine Art Irokesenfrisur. Auf den ersten Blick könnte man ihn der linken Szene zuordnen. Doch ein politisches Motiv war schon früh ausgeschlossen worden. Dafür sahen die Ermittler keine Anzeichen.

In jener Nacht hatte es in der Nähe eine weitere Auto-Brandstiftung gegeben, mit der D. und W. zunächst auch in Verbindung gebracht worden waren. Gegen 1.15 Uhr, etwa zwei Stunden vor dem Brand des Campingbusses, hatte an der Herzbergstraße ein Opel in Flammen gestanden. D. und W. sollen das Feuer beobachtet haben und wurden deshalb von Reportern befragt. Dabei wurde die Polizei auf sie aufmerksam und nahm ihre Personalien auf, zunächst als Zeugen.
Auf dem Heimweg hätten sie sich dann über den Brand unterhalten, sagt Thomas D. Laut Andy W. überlegten sie, ein Auto zu „knacken“. Auf einem Parkplatz sei ihnen der Wohnwagen aufgefallen. „Mit einem Schraubenzieher habe ich ein Seitenfenster aus Plastik aufgehebelt“, sagt Thomas D.

Angeklagte widersprechen sich

Dann widersprechen sich die beiden Angeklagten. D. erklärt, durch ein Loch in der Scheibe eine Sitzbank mit einem Feuerzeug angezündet zu haben. Sein Freund habe ebenfalls die Flamme an das Polster gehalten. Während er spricht, verdreht W. die Augen, schüttelt den Kopf. Seine Darstellung sieht anders aus: Der Bus sei in Brand geraten, weil sein Freund die „Plastikscheibe angezündet hatte“, sagt er. Er selbst habe zuvor brennende Feuerwerkskörper ins Innere geworfen. Da sei aber „nicht viel passiert.“

Auf die Frage, was er über die Tat denke, sagt Thomas D.: „Es ärgert mich sehr, dass ich das verbockt habe.“ Offenbar hat der arbeitslose kaufmännische Assistent allen Grund dazu. Nach eigener Aussage hatte er ein Jobangebot und hätte wenige Tage nach der Tat einen Arbeitsvertrag unterschreiben können. Andy W. ist ebenfalls arbeitslos. Er hat keine Ausbildung.

Die Polizei war den beiden schnell auf die Schliche gekommen. Sie hatten bei ihren Zeugenaussagen zu dem ersten Brand in der Herzbergstraße falsche Angaben gemacht. Deshalb galten sie als tatverdächtig. Den Brand des Opel lastet ihnen die Staatsanwaltschaft aber nicht an. Ob andere Täter ermittelt wurden, konnte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft am Dienstag nicht sagen. Der Prozess wird am 17. Januar fortgesetzt.