Berlin - Auf seinem Grundstück in Neukölln soll ein Mann 5 000 Sprengkapseln und 127 Bodenleuchtraketen  gehortet haben. Mit einer Explosivstoffmenge von insgesamt 285 Kilogramm hatte der 40-jährige Techniker für Mess-, Steuer- und Regelungstechnik weit mehr Pyrotechnik als erlaubt besessen. Seit Freitag  steht  Daniel S. wegen unerlaubten Betreibens eines Lagers für explosionsgefährliche Stoffe vor dem Landgericht. Und weil er zudem noch Mitarbeitern von Behörden gedroht haben soll, wirft ihm die Staatsanwältin  auch versuchte Nötigung vor. Das Gericht muss zudem klären, ob Daniel S. psychisch krank ist.

Der  Mann, der sein Haar  mit einer goldfarbenen Schleife zum Zopf gebunden hat, war schon mehrfach in den Schlagzeilen.  Zunächst, als die Polizei auf seinem Grundstück zentnerweise Chemikalien und Sprengstoff beschlagnahmt hatte. Dann  im Juli 2013. Da sollte der Prozess schon einmal beginnen. Doch S., der sich vor Jahren  einer Reichsbürger-Gruppierung namens Staatliche Selbstverwaltung angeschlossen hatte, erschien nicht. Er war aus der Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik, in die ihn ein Arzt eingewiesen hatte, geflohen – mit einem nachgemachten Schlüssel.

Daniel S. kennt sich gut aus mit Chemikalien, er redet wohlformuliert wie ein Fachmann. Doch das, was er sagt, hört sich   recht abstrus an. Er habe jahrelang einen  Handel mit Chemikalien  betrieben, sagt er. Dann seien die Behörden aufmerksam geworden. Er habe sich wehren wollen. Daniel S. stieß nach eigenen Worten  auf der Suche nach Rechtshilfe im Internet auf die Staatliche Selbstverwaltung, die die   Grundordnung  der BRD ablehnt. Er gibt zu, deshalb auch keine Steuern oder Ordnungsstrafen mehr gezahlt zu haben. Aber er sei immer friedlich gewesen.

So recht passe das aber nicht zusammen mit den Briefen und Mails, die er an Behörden geschrieben habe, stellt der Vorsitzende Richter fest. So soll Daniel S. im Falle eines Angriffs, also der Räumung des Grundstücks, mit unglaublicher Härte gedroht haben. Der Angestellten eines Amtsgerichts  schrieb er, man werde sie auslöschen.

Daniel S. sagt, er habe niemandem gedroht. Er habe vielmehr unter dem Einfluss der Gruppe gestanden, die wie eine Sekte gewesen sei.  „Mit Gehirnwäsche und so“. „Hätte ich gewusst, dass sie massiv vom Verfassungsschutz beobachtet wird, hätte ich doch nie mitgemacht.“ Er sei niemals Reichsbürger gewesen, behauptet er. Als ihn sein Anwalt  daraufhin fragt, ob er denn heute das Grundgesetz anerkenne, sagt S.: „Nach derzeitigen Informationen sieht es so aus, als wenn es gültig ist.“ Der Prozess wird fortgesetzt.