Prozess gegen Dealer-Bande: Die Kriminellen verdienten 42.000 Euro in drei Wochen

Glaubt man der Anklage, die am Montag vor dem Landgericht verlesen wird, dann hat der 35-jährige Mohammad A.-Z. in acht Tagen fast 15.000 Euro verdient. Das wären im Durchschnitt fast 2000 Euro am Tag, die der Vater zweier Kinder durch den Verkauf von Heroin und Kokain eingenommen haben soll.

Später hat sich der in Berlin lebende Mann nach Angaben der Staatsanwältin mit den zwei Mitangeklagten zu einer Bande zusammengeschlossen, um arbeitsteilig Drogen in Kreuzberg, insbesondere im Bereich des Mehringdammes zu verkaufen. Die Anklage wirft den Männern bandenmäßigen Handel mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge vor.

Die drei Angeklagten gingen den Fahndern eher zufällig ins Netz. Durch eine Telefonüberwachung in einem anderen Fall sollen die Ermittler auf die mutmaßliche Bande aufmerksam geworden sein.

Am 16. März dieses Jahres schlug die Polizei schließlich zu. Sie nahm Mohammad A.-Z., den 29-jährigen Hussein M. und den 25-jährigen Mohammad S. fest. Bei der Durchsuchung der beiden Wohnungen in Kreuzberg und Neukölln, in der die mutmaßlichen Drogendealer ihre Ware gebunkert haben sollen, fanden die Ermittler zahlreiche Drogen.

Als Kopf der gut organisierten Bande gilt Mohammad A.-Z.

In der Kreuzberger Unterkunft entdeckten sie in einem Küchenschrank über dem Herd und in einem Kulturbeutel in der Abstellkammer Heroin – verpackt in 19 Kugeln und verschieden großen Tüten. Auch Kokain wurde in der Wohnung gefunden.

In der Wohnung in Neukölln stellten die Fahnder laut Anklage Drogen im Wohn- und Schlafzimmer sowie in der Küche sicher. So fanden sie auf dem Couch- und dem Esstisch im Wohnzimmer Tüten mit einem Heroingemisch und Kokain, zudem lagen Drogen offen auf einem Teller. In einer Tasche hielten die mutmaßlichen Drogendealer ebenfalls eine abgepackte Menge des Heroingemischs und eine Tüte mit Kokain bereit. Betäubungsmittel wurden ebenfalls in einem Kopfkissenbezug und unter dem Küchenschrank gefunden.

Den drei Angeklagten werden in der Anklage Hunderte Verkäufe von Heroin und Kokain vorgeworfen. Als Kopf der gut organisierten Bande gilt Mohammad A.-Z. Der 35-Jährige soll dazu entschlossen gewesen sein, den Handel mit Kokain und Heroin in Berlin in großem Umfang aufzubauen.

Er soll dafür in der Zeit vom 23. Februar bis zum 2. März dieses Jahres von bisher unbekannten Mittätern die Drogen geliefert bekommen haben. Per Telefon, so die Anklage, habe man Betäubungsmittel von morgens bis tief in die Nacht beim Angeklagten bestellen können, die dann von sogenannten Läufern an die Konsumenten geliefert worden seien.

Bestellungen von Kunden über das "Konsumententelefon"

Bei einem Deal bestellten die Kunden Drogen für insgesamt 40 Euro, bei einem anderen für 550 Euro. Der geringste Tageserlös lag nach Erkenntnissen der Ermittler in dieser Zeit bei 530 Euro, der höchste Verdienst bei fast 2700 Euro.

Spätestens am 2. März dieses Jahres soll sich der Hauptangeklagte mit den beiden mutmaßlichen Mittäter zu einer Bande zusammengeschlossen haben. Laut Anklage nahm der mutmaßliche Bandenchef über das „Konsumententelefon“ die Bestellungen auf und wies seine Mittäter über Whatsapp an, wie sie die Drogen portionieren und wo sie sich mit dem Abnehmer treffen sollten.

Dabei arbeiteten Hussein M. und Mohammad S. in einer Art Schichtdienst. Wie die Staatsanwältin sagt, sollen vor allem der Angeklagte Mohammad S. die Heroin- oder Kokainkugeln beim Ausliefern in seinem Mund verwahrt haben.

Ein Urteil könnte am 19. Oktober gesprochen werden

Insgesamt erzielte der Angeklagte Mohammad A.-Z. laut Staatsanwaltschaft in den drei Wochen seines Daseins als Drogendealer auf Bestellung einen „Betrag in Höhe von 41.876 Euro“.

An diesem ersten Verhandlungstag wird nur die 66 Seiten umfassende Anklage verlesen. Unklar ist, ob sich die Angeklagten zu den Vorwürfen vor Gericht einlassen werden. Mohammad A.-Z. soll jedoch bei der Polizei eine Aussage gemacht haben.

Der Prozess wird am kommenden Montag fortgesetzt. Insgesamt sind sieben Verhandlungstage vorgesehen. Ein Urteil könnte am 19. Oktober gesprochen werden.