Die Berliner Straßenmusikerin Elen Wendt hat aus Sicht eines Berliner Amtsgerichts gegen das Straßengesetz der Hauptstadt verstoßen. 1000 Euro Buße verhängte die zuständige Richterin am Mittwoch. Die 26-Jährige habe in fünf Fällen musiziert und dabei auf der Straße Gegenstände abgestellt, so die Begründung. Damit war der Gitarrenkoffer gemeint, den die Musikerin zum Sammeln von Münzgeld und dem Verkauf ihrer CDs nutzte. Dies aber sei eine Sondernutzung, für die Elen Wendt eine Erlaubnis hätte beantragen müssen.

Elen, die als Musikerin auf ihren Nachnamen verzichtet, singt seit rund neun Jahren regelmäßig für Passanten und spielt dazu Gitarre. Dabei ist ihr Gitarrenkoffer vor ihr aufgeklappt. Die Frau, die 2011 als Kandidatin an der Castingshow „The Voice of Germany“ teilnahm, ist an der Schönhauser Allee in Prenzlauer Berg oder in Mitte zu hören. Dabei benutzt sie auch einen kleinen Verstärker.

Ärger mit dem Ordnungsamt

In Berlin-Mitte bekam sie immer wieder Ärger mit Mitarbeitern des Ordnungsamtes - vor etwa sechs Monaten bekam sie drei Bußgeldbescheide. 1450 Euro Strafe waren wegen mehrerer Verstöße gegen das Straßengesetz und Lärm verhängt worden. Die Musikerin legte Einspruch ein und erzwang damit eine mündliche Verhandlung.

Elen sagte, sie habe keine Anwohner gestört. Sie sei auch davon ausgegangen, dass sie als Sängerin keine Sondernutzungs-Erlaubnis brauche. Ihr Anwalt sagte, Straßenmusik gehöre seit der Antike zum Kulturgut. Kunstfreiheit sei ein Grundrecht. Er forderte Freispruch.

Die Richterin folgte dem Anwalt lediglich bei den Vorwürfen zum Lärm. Die Lautstärke der Straßenmusik beispielsweise auf dem Alexanderplatz sei nie in Dezibel gemessen worden. Wendt habe aber in fünf Fällen mit dem geöffneten Gitarrenkoffer gegen das Straßengesetz verstoßen. „Es ging nicht darum, den Koffer mal zur Seite zu stellen, er diente dem Einsammeln von Münzgeld und dem Verkauf ihrer CDs“, so das Gericht.
Die Richterin riet der Musikerin, nun eine Sondernutzungs-Erlaubnis zu beantragen. Sollte diese abgelehnt werden, könne sie dagegen vor dem Verwaltungsgericht klagen. Der Verteidiger will Rechtsmittel gegen das Urteil prüfen. (dpa)