Potsdam - Der Prozess gegen den mutmaßlichen Kindermörder Silvio S. ging am Dienstag mit Aussagen von Gerichtsmedizinern weiter. Es wurden beide Gerichtsmediziner gehört, die die Leichname des vierjährigen Mohamed und des sechsjährigen Elias untersucht hatten. Elias war Anfang Juli in Potsdam von einem Spielplatz verschwunden, seine Leiche wurde mehr als drei Monate später nach der Festnahme von Silvio S. in einem Kleingarten in Luckenwalde (Teltow-Fläming) gefunden.

Der heutige Prozesstag im Newsticker:

15:27 Uhr:

Der Vorsitzende Richter hat den Angeklagten noch einmal gebeten, in sich zu gehen und auszusagen. Damit alle Spekulationen über die Todesumstände von Elias ein Ende haben. Doch Silvio S. schweigt weiter.

Der Prozess wird am Montag fortgesetzt. Dann soll der psychiatrische Gutachter Matthias Lammel über die Schuldfähigkeit des Angeklagten sprechen. Der Staatsanwalt könnte an diesem Tag bereits sein Plädoyer halten.

14:54 Uhr:

Tsokos schließt aus, dass Elias erst in der Nacht vom 11. auf den 12. Juli zu Tode gekommen ist, so wie es auf der Trauerkarte an Elias Mutter zu lesen war. Zu diesem Zeitpunkt sei der Junge schon tot gewesen.

14:51 Uhr:

Tsokos betont auf Nachfrage noch einmal, dass Elias gewaltsam erstickt worden sei. So etwas gehe nicht schnell. Ersticken dauere lange und sei sehr qualvoll.

14:40 Uhr:

Der Berliner Gerichtsmediziner Michael Tsokos hat die Leiche des sechsjährigen Elias untersucht. Er war dabei, als der Leichnam in Luckenwalde ausgegraben wurde, im Bereich eines ehemaligen Gartenteichs. Dort sei man auf eine Teichfolie gestoßen. "Ich habe sofort gerochen, dass dort etwas ist", sagt der Professor vor Gericht. Man sei auf einen 60 mal 100 mal zehn Zentimeter großen Pappkarton gestoßen. Der Kopf des Jungen sei mit Klebeband umwickelt gewesen, so, als wolle man den Mund geschlossen halten.

Die Obduktion der Leiche von Elias ergab laut Tsokos, dass der Junge erstickt sein muss.  Andere Verletzungen seien nicht festgestellt worden. Es seien zwar auch Drosselspuren am Hals gefunden worden, doch er gehe - anders als in seinem vorläufigen Gutachten - nicht mehr davon aus, dass Elias erdrosselt worden sei. Zum Todeszeitpunkt wollte sich Tsokos nicht direkt festlegen.

13:08 Uhr

Pause.

13:04 Uhr:

Sven Hartwig sagt, dass Mohamed sehr wahrscheinlich von hinten stranguliert worden sei. Darauf deutete die Drosselmarke hin. Vermutlich sei das Kind, das 14 Kilogramm gewogen habe, dabei angehoben worden. Das habe zu einer erhängungstypischen Situation geführt.

12:48 Uhr:

Nach Angaben von Sven Hartwig sei ein Gürtel durchaus für die Strangulation geeignet. Er spricht aufgrund der markanten Größenunterschiede von mutmaßlichem Täter und Opfer von einer "Beinahe-Erhängungssituation". Es sei höchstwahrscheinlich zu einem raschen Eintritt der Bewusstlosigkeit durch die Unterbrechung der Blutzufuhr zum Gehirn gekommen. Hartwig sagt auch, dass Mohamed höchstwahrscheinlich unter Medikamenteneinfluss gestanden habe, als Silvio S. die Videos mit dem Kind gedreht habe. Da biete sich das Schlafmittel an, dass man bei Silvio S. gefunden habe. Laut Hartwig wurde auch am Leichnam des sechsjährigen Elias auch Schlafmittel gefunden.

12:36 Uhr:

Silvio S. kann wieder nicht zuhören. Er hält sich die Ohren zu, als Sven Hartwig über den Tod des vierjährigen Mohamed redet. Dann stützt er die Stirn auf seine Hände.

12:28 Uhr:

Chloroform führt nach Angaben Hartwigs rasch zu Bewusstlosigkeit und bei weiterer Verwendung zur Vergiftung bis hin zum Tod. Hinweise auf einen sexuellen Missbrauch konnte der Rechtsmediziner nicht erkennen.

12:19 Uhr:

Gerichtsmediziner Sven Hartwig hat die Leiche von Mohamed untersucht. Er sagt, die Leiche des Kindes sei offenbar durch die Lagerung im Katzenstreu noch in einem erstaunlich guten Zustand gewesen. Der Vierjährige habe ein T-Shirt getragen, als er aus der Plastikwanne gehoben worden sei. Die Obduktion habe ergeben, dass das Kind an keiner schwerwiegenden Krankheit gelitten habe. Spuren am Hals und am Gehirn ließen darauf schließen, dass der Junge stranguliert worden sei.

Sven Hartwig sagt auch, dass man im Herzblut des Jungen eine geringe Menge Chloroform festgestellt.

11:36 Uhr:

Pause.

11:35 Uhr:

Der Vorsitzende Richter verliest zudem die Ergebnisse der Ermittlungen, bei denen es um den Einkauf von Silvio S. vom 2. Oktober 2015 geht. Es war der Tag, an dem er den vierjährigen Mohamed getötet haben soll und zum Dienst beim Sicherheitsdienst in Bad Belzig fuhr. Demnach bezahlte Silvio S. an diesem Tag um 18.19 Uhr im Penny-Markt in Treuenbrietzen Wasser, Mehl und einmal Katzenstreu. Da er annahm, dass das Katzenstreu nicht reichen würde, um den Leichnam Mohameds in der Plastikwanne zu bedecken, hielt er auf dem Weg zum Dienst noch einmal am Norma-Markt in Belzig. Dort bezahlte er um 18.47 Uhr 7,62 Euro für zwei Pakete Katzenstreu, Butterkekse, eine Tüte Fruchtgummi und Obst.

11:24 Uhr:

Der Vorsitzende Richter, Theodor Horstkötter, verliest ein Gutachten, mit dem geklärt werden soll, ob der Sand aus Elias' Schuhen aus dem Sandkasten in Potsdam-Schlaatz stammt. Ergebnis: Der Sand aus den Schuhen des Kindes stammt nicht aus dem Sandkasten, in dem der Junge am Tag seines Verschwindens gespielt hatte.

10:49 Uhr:

Susanne P. erklärt, dass an der Leiche des sechsjährigen Elias kein Sperma entdeckt worden sei. Auf Einwand des Gerichtsmediziners Michael Tsokos, dass an keiner Leiche  nach drei Monaten noch Sperma habe nachgewiesen werden können, sagt die Gerichtsbiologin: "Kann sein, dass nach so langer Zeit kein Sperma mehr nachweisbar ist." Elias soll am 8. Juli 2015 von dem angeklagten Silvio S. entführt und noch am selben Tag getötet worden sein. Die verscharrte Leiche des Jungen fanden die Ermittler erst fast vier Monate später.

10:39 Uhr:

Die Gerichtsbiologin hat auch die Trauerkarte untersucht, der der Angeklagte an die Mutter von Elias geschickt haben soll. Die Karte mit dem Absender eines Bestattungsunternehmens kam nie an, weil die Adresse nicht korrekt war. Die Sachverständige Susanne P. sagt, dass Silvio S. mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit Mitverursacher einer DNA-Mischspur auf dem Briefumschlag der Trauerkarte war.

10.34 Uhr:

Susanne P. hat auch 26 gebrauchte Kondome aus der Wohnung des Angeklagten im Labor untersucht. Alle enthielten Sperma. Ein Speicheltest ergab, dass man an fünf Kondomen ein zelluläres Gemisch finden konnte, bei dem der vierjährige Mohamed am ehesten als Mitverursacher bestimmt werden konnte. Auch an Kabelbindern fand die Gerichtsbiologin Spuren des Flüchtlingsjungen.

10:26 Uhr:

Die Gerichtsbiologin des LKA Brandenburg, Susanne P., hat Gegenstände untersucht, die im Garten von Silvio S. in Luckenwalde, an der Grabstelle von Elias, gefunden wurden. Unter anderem sei eine Decke mit Blumenmuster sichergestellt worden. Diese Decke sei blutdurchtränkt gewesen. Das Blut könne man Elias zuordnen, sagt die 43-Jährige vor dem Landgericht Potsdam. Blut des Kindes sei auch an einer blauen Serviette, an einem Klebebandstück und einem Papiertaschentuch gefunden worden. Auch ein roter Lappen enthielt Blut und Speichel von Elias.