Berlin - Pawel S. trägt an diesem Donnerstag ein schwarzes Hemd. Ab und an schlägt sich der 38-jährige Angeklagte die Hände vor das Gesicht. Er sagt, er habe doch nur an einen Spaß geglaubt. Neben ihm sitzt sein Mitangeklagter, der 23-jährige Grzegorz R. Beide müssen sich wegen gefährlicher schwerer Körperverletzung verantworten.

Den beiden aus Polen stammenden Männern wird vorgeworfen, am 31. Mai dieses Jahres einen obdachlosen Landsmann angezündet und lebensgefährlich verletzt zu haben. Gegen 21 Uhr des Tattages war das Opfer auf einer Parkbank am Fernsehturm am Alexanderplatz eingeschlafen.

Laut Staatsanwaltschaft sollen die Angeklagten mit einem Feuerzeug zunächst das rechte Hosenbein des Schlafenden entzündet haben. Die Hose des 45-jährigen Tomasz R. fing Feuer und brannte etwa eine Minute lang.

Beide Angeklagten standen unter Alkoholeinfluss

Als das Opfer von der Parkbank fiel, erloschen die Flammen. Danach sollen die Angeklagten auch das zweite Hosenbein und das T-Shirt von Tomasz R. in Brand gesetzt haben. Erst, als zwei Polizeibeamte auftauchten, löschten Pawel S. und Grzegorz R. die Flammen.

Die betrunkenen Männer wurden festgenommen. Bei Pawel S. wurde in einer Blutprobe eine Alkoholkonzentration von 2,8 Promille festgestellt, bei Grzegorz R. eine Konzentration von rund zwei Promille.

Tomasz R. erlitt am Rücken und dem rechten Unterschenkel Verbrennungen zweiten und dritten Grades. Er befindet sich noch immer in stationärer Behandlung. Folgeschäden seien zu erwarten, heißt es. In der Anklage ist von Entstellungen die Rede.

Pawel S. weist jede Schuld von sich

Während Grzegorz R. an diesem ersten Prozesstag schweigt, erzählt Pawel S., er habe durch sein Alkoholproblem seine sehr gute Arbeit in Polen verloren. Seine in Deutschland lebende Mutter habe ihn überredet, nach Berlin zu ziehen. Er und seine Frau hätte hier eine Wohnung und Arbeit gefunden. „Wir wollten ein anderes Leben beginnen, leider klappte das nicht“, sagt Pawel S.

Er sei wieder arbeitslos geworden, habe wieder zu trinken angefangen. Seine Frau habe nicht geduldet, dass er in der Wohnung trinkt. Er durfte auch nicht betrunken nach Hause kommen. Deswegen sei er öfter herumgezogen. Dabei habe er auch den obdachlosen Tomasz R. kennengelernt. Man habe einige Male zusammen zwei oder drei Tage hintereinander durchgesoffen. Am Tattag sei Tomasz R. auf der Parkbank eingeschlafen.

Pawel S. weist jedoch alle Schuld von sich. Er sagt, dass er dem Opfer zu Hilfe geeilt sei und die Flammen gelöscht habe. Vielmehr sei es der Mitangeklagte gewesen, der lachend versucht habe, die Hose des Schlafenden anzuzünden. Dann soll Grzegorz R. erklärt haben, dass er nun auch noch das Hemd und das andere Hosenbein des Schlafenden in Brand setzen werde.

Aus einem dummen Scherz wurde Ernst

Pawel S. kann sich noch an die Rettungssanitäter erinnern und daran, dass er von der Polizei mitgenommen wurde. „Noch nie zuvor waren mir Handschellen angelegt worden. Das war ein großer Schock für mich“, erklärt der Angeklagte.

Er sagt auch, dass er an einen dummen Scherz geglaubt habe. „Ich habe wie die anderen dort auch gelacht, weil ich dachte, Tomasz soll nur geweckt werden, und er würde dann einfach weitertrinken.“ Der durch das Feuer verletzte Tomasz R. soll im Januar als Zeuge vor Gericht gehört werden.