Berlin - Ein 22-Jähriger ist im Prozess wegen Schändung des Holocaust-Mahnmals in Berlin zu einer Geldstrafe von 1500 Euro verurteilt worden. Er habe auf eine Stele des Denkmals für die ermordeten Juden Europas uriniert und sich dadurch der Störung der Totenruhe schuldig gemacht, begründete das Amtsgericht Tiergarten am Mittwoch sein Urteil. Der Mann sei betrunken gewesen und habe nicht nachgedacht. Der Vorwurf, er und ein 25-Jähriger hätten eine antisemitische Parole gerufen, habe sich nicht bestätigt. Ein Mitangeklagter wurde freigesprochen.

Der jetzt Verurteilte war mit vier Freunden unterwegs, als es am frühen Morgen des 19. Mai 2015 zur Schändung des Mahnmals kam. Er habe „mit freiem Oberkörper auf einer Stele gestanden und uriniert“, gab der im Garten- und Landschaftsbau tätige Angeklagte zu. Er sei betrunken gewesen. „Es war eine Dummheit, ich schäme mich für mein Verhalten.“ Überwachungskameras hatten die Szene aufgezeichnet.

Ein Wachmann hatte als Augenzeuge die Polizei gerufen. Die Angeklagten gaben an, sie hätten zunächst nicht begriffen, worum es ging. Dass sie am Mahnmal feierten und Fußballgesänge anstimmten, sei ihnen nicht bewusst gewesen. Zu keiner Zeit hätten sie sich antisemitisch geäußert. Der 22-Jährige sagte aus, er sei sogar Mitglied in einem deutsch-jüdischen Sportverein.

Unter den fünf Männern befand sich auch ein junger Polizist. Im Prozess sagte der als Zeuge befragte Beamte, er könne sich an den Vorfall kaum erinnern. „Wir hatten viel Alkohol getrunken.“ Eine antisemitische Äußerung habe er nicht gehört.

„Nüchtern wäre es nicht zu dem Vorfall gekommen“

Am Rande des Prozesses hieß es, der junge Polizist habe sich möglicherweise ebenfalls strafbar gemacht. Der Staatsanwalt erklärte, er werde der zuständigen Fachabteilung ein Verfahren empfehlen. Es soll geprüft werden, ob der Beamte derjenige aus der Gruppe war, der auf einer Stele stand und die Hose herunterließ.

„Nüchtern wäre es nicht zu dem Vorfall gekommen“, stellte die Vorsitzende Richterin fest. Gegen den 22-Jährigen erging eine Strafe von 50 Tagessätzen zu je 30 Euro. Wer eine antisemitische Parole rief, sei ungeklärt. Das Urteil entsprach im Wesentlichen den Anträgen von Staatsanwalt und Verteidiger. (dpa)