Ein schwerwiegender Vorwurf wurde am Dienstag in Saal 817 des Landgerichtes verhandelt. Eine Lehrerin soll einen zehnjährigen Schüler bei einem Schulausflug ins Gesicht geschlagen haben. Doch die Richterin stellte das Verfahren wegen Körperverletzung im Amt auf Antrag des Staatsanwaltes ein. Nun muss die frühpensionierte, zierliche Lehrerin 2.000 Euro Geldbuße zahlen. Damals sei die Frau in einer schwierigen Überforderungssituation gewesen, sagte die Richterin.

In erster Instanz war sie vom Amtsgericht Tiergarten wegen Körperverletzung im Amt noch zu 90 Tagessätzen à 66 Euro verurteilt worden. Doch dagegen war die Pädagogin in Berufung gegangen.

Der Vorfall hatte sich vor zwei Jahren zugetragen. Damals war die Frau als Vertretungslehrerin der Grundschule an der Peckwisch im Märkischen Viertel tätig. Mit den rund 20 Schülern der Klasse unternahm sie einen Ausflug zur Jugendverkehrsschule. Sie war die einzige Aufsichtsperson, obwohl bei solchen Ausflügen eigentlich immer zwei Pädagogen dabei sein sollen. Auf dem Rückweg stand sie mit den Viertklässlern am Wilhemsruher Damm, der befahrenen Hauptverkehrsstraße im Märkischen Viertel. Es ging offenbar drunter und drüber. Die Schüler schrien, spielten Fangen und liefen Gefahr, auf die Straße zu laufen. Die Lehrerin packte sich den damals Zehnjährigen. Der rülpste sie daraufhin an. Dann soll sie ihn auf Gesicht und Hals geschlagen haben. Die Lehrerin gab an, den Schüler nicht absichtlich berührt zu haben.

Keine Zeugenaussage nötig

Doch zumindest die Amtsrichter glaubten dem Schüler und einem Mitschüler, der seinerzeit als Zeuge aussagte. Der Schüler und sein Kumpel hielten sich am Dienstag vor dem Gerichtssaal bereit, um als Zeugen befragt zu werden. Doch das war nicht mehr nötig, so daddelten sie einfach weiter auf ihren Mobiltelefonen herum.

Die Richterin sagte, es gehe ihr darum, den Rechtsfrieden wieder herzustellen und die Kirche im Dorf zu lassen. Das passte der Mutter des Schülers überhaupt nicht. „Wenn ich zu Hause mein Kind schlagen würde, hätte ich sofort Polizei und Jugendamt bei mir“, schimpfte sie noch im Gerichtssaal. Aber bei einer Lehrerin passiere das nicht, dabei sei das bestimmt kein Einzelfall.

Die 59-jährige Pädagogin zeigte sich nach der Entscheidung hingegen erleichtert. Sie habe früher als Lehrerin in Kreuzberg SO36 gearbeitet. Sie sei es gewohnt gewesen, mit renitenten Kindern zu arbeiten, ohne übergriffig zu werden.