Berlin - Er war wohl Berlins bekanntester Ordnungsamtsmitarbeiter. Im Fernsehen war der leitende Beamte Thomas M. aus dem Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf mehrfach in der Doku-Soap „Mein Revier – Ordnungshüter räumen auf“ zu sehen. Was damals keiner wusste: Der Vorzeigebeamte soll auch eine große Menge Geld unterschlagen haben.

Wegen Untreue und Unterschlagung muss sich der heute 43-Jährige seit Dienstag vor Gericht verantworten. Ihm wird vorgeworfen, von April 2006 bis Juli 2010 Bareinnahmen, für deren Einnahme und Verbuchung er zuständig war, im großen Stil für sich verwendet zu haben. Bei dem veruntreuten Geld soll es sich um eingenommene Bußgelder oder Barzahlungen für Parkraum-Vignetten handeln. Die Anklage geht von einem Schaden in Höhe von 264 .000 Euro aus. Vor dem Landgericht wollte sich der Angeklagte am Dienstag noch nicht zu den Vorwürfen äußern.

Vom Dienst suspendiert

In seiner Funktion als Leiter des Allgemeinen Ordnungsdienstes soll der Beamte für die Organisation und Überwachung des gesamten Zahlungsverkehrs im Bezirksamt zuständig gewesen sein. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass er innerhalb der vier Jahre 175 Mal in die Kasse griff. „Mindestens einmal wöchentlich“ soll er Gelder privat abzweigt haben, statt sie auf das Konto der Bezirkskasse einzuzahlen. Im Einzelnen sollen Beträge von 328 Euro bis 5586 Euro unterschlagen worden sein. Nach dem Bekanntwerden der Vorwürfe wurde der Mann vom Dienst suspendiert, er bekam aber weiter reduzierte Bezüge gezahlt.

Und er blieb geschäftig. Im Sommer 2011 eröffnete er an der Ferdinandstraße in Lichterfelde einen Laden für dänische Produkte: Softeis, Hotdogs, Designerwaren gab es dort, der umtriebige Geschäftsmann vermittelte auch dänische Ferienhäuser. Auf Fotos sah man ihn freundlich lächelnd die dänische Flagge halten. Die früheren Mitarbeiter des Beamten reagierten empört, als sie erfuhren, dass M. schon wieder „dicke im Geschäft“ sei, hieß es damals.

Während die Staatsanwaltschaft Berlin aus strafrechtlicher Sicht gegen das geschäftige Treiben des Angeklagten keine Handhabe hatte (bis zur Verurteilung gilt die Unschuldsvermutung, und ein Berufsverbot wird nicht verhängt), versuchte das Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf als Arbeitgeber des Beamten, dessen neue Tätigkeit „mit allen rechtlichen Mitteln“ zu unterbinden. Vergeblich.

Gestohlenes Geld unauffindbar

Im Ermittlungsverfahren hatte der Angeklagte die Vorwürfe teilweise zugegeben. Es sei aus „Überlastung“ geschehen, sagte er. Der Verteidiger hat für den nächsten Verhandlungstag am 22. Dezember eine Aussage seines Mandanten angekündigt. Dann wird auch zu klären sein, wo sich das unterschlagene Geld befindet.(mit dapd)