Berlin - Der Prozess um den spektakulären Diebstahl von 242 Tablets aus einer Berliner Oberschule vor dem Amtsgericht Tiergarten ist am Freitag nach mehrstündiger Verhandlung geplatzt und wird Ende Juli noch einmal beginnen. Zur Begründung sagte Richter Leontin Brete, es müssten in dem Fall weitere Zeugen geladen werden, dies würde neue Verhandlungstermine nach sich ziehen. Die könne er aber als Richter nicht weiter verhandeln, da er demnächst zum Kammergericht abgeordnet werde.

Nur soviel entschied Brete: Der Angeklagte Leonardo D. bleibt bis zur Neuaufnahme des Verfahrens weiter in Untersuchungshaft. Den Antrag der Anwälte des 26-Jährigen, ihren Mandanten aus der Haft zu entlassen, weil kein dringender Tatverdacht mehr vorliege und er eine Wohnadresse habe, folgte Brete damit nicht. Zudem sah der Richter – wie auch die Staatsanwältin – Fluchtgefahr. Leonardo D., der den Diebstahl möglicherweise nicht allein begangen habe, sei mit verschiedenen Alias-Identitäten unterwegs und habe auch noch Kontakt in sein Heimatland Serbien.

Tablets lagerten in einem abgeschlossenen und alarmgesicherten Raum

Leonardo D. wird vorgeworfen, 242 Apple-Tablets, die sozial-benachteiligten Schülern während des Lockdowns für das Homeschooling bereitgestellt werden sollten, gestohlen zu haben. Die Anklage lautet auf besonders schweren Diebstahl. Durch die Tat soll ein Schaden von fast 100.000 Euro entstanden sein. Die Tablets waren aus der Willy-Brandt-Sekundarschule im Berliner Ortsteil Gesundbrunnen entwendet worden.

Die 242 iPads waren zuvor nach Angaben der Schulleiterin am Mittag des 27. Januar ohne Vorankündigung geliefert worden. Die Schule hatte die notwendige Anzahl der Tablets Monate zuvor an die Senatsverwaltung übermittelt. Eigentlich habe man schon im Herbst des vorigen Jahres damit gerechnet, die iPads für die bedürftigen Schüler zu bekommen, hatte die 49-Jährige Pädagogin erzählt. Ihre Schule sei eine der letzten Einrichtungen gewesen, die diese Geräte bekommen habe.

Die Tablets waren zunächst im Flur der Schule abgestellt und später in ein Büro gebracht worden, das abgeschlossen und alarmgesichert werden konnte. Die Schulleiterin hatte die Tür abgeschlossen und den Alarm eigenen Angaben zufolge kurz vor Mitternacht scharf gestellt und die Schule verlassen. An jenem Abend hatte sie noch Zeugnisse für die 542 Mädchen und Jungen, die an ihrer Schule lernen, kontrolliert.

Leonardo D. soll Transponder und Generalschlüssel besessen haben

Am nächsten Morgen fand die Schulsekretärin die Tür zum Büro, in dem die Tablets aufbewahrt waren, geöffnet vor. Die Geräte waren verschwunden. Die Tür des Raums wies Einbruchspuren auf, die aber offenbar nur vorgetäuscht worden waren. Nach den Ermittlungen schien klar, dass der Alarm mit dem Transponder ausgestellt worden war, der sich laut Staatsanwaltschaft im Besitz von Leonardo D. befunden hatte. D. arbeitet als Reinigungskraft an der Schule. Der Angeklagte soll auch einen Generalschlüssel für die Türen in der Schule besessen haben.

Leonardo D. war zwei Wochen nach der Tat in Brandenburg/Havel, wo er mit seiner Familie lebt, festgenommen worden. Die Tablets sind bisher nicht wieder aufgetaucht. Der Angeklagte schweigt bisher zu den Vorwürfen. Die Mädchen und Jungen der Willy-Brandt-Schule, die eines der gestohlenen Geräte erhalten sollten, hatten Glück. Sie bekamen einen Monat später doch noch einen tragbaren Computer. Apple-Konkurrent Samsung spendete der Schule 242 Tablets.

Der neue Prozess soll am 20. Juli starten. Drei Verhandlungstage sind geplant. Ein Urteil könnte dann am 6. August gesprochen werden.