Berlin - Anfang Oktober wird ein Buch der ehemaligen Berliner Grundschullehrerin Ursula Sarrazin erscheinen. „Hexenjagd – mein Schuldienst in Berlin“ soll es heißen und nach Verlagsangaben zeigt es, wie die Ehefrau von Ex-Senator Thilo Sarrazin an einer Grundschule in Westend „Opfer eine beispiellosen Mobbingkampagne“ wurde.

Dass ein solches Buch erscheinen soll, ist seit zwei Monaten bekannt. Neu ist, dass selbst das Berliner Verwaltungsgericht Sarrazins Sicht der Dinge ausdrücklich nicht teilt. Vor Gericht nämlich hatte Ursula Sarrazin gegen ihren langjährigen Dienstherrn, die Bildungsverwaltung, geklagt. Die Schulbehörde sollte eine „Ehrenerklärung“ für Frau Sarrazin abgeben. Die Lehrerin war von Eltern, Schülern und Kollegen scharf kritisiert worden. Sie soll Schüler als „armseliges Opfer“ beleidigt haben, so die Vorwürfe, die Frau Sarrazin bestreitet.

Anhaltspunkte für Dienstpflichtverletzungen

Eine solche „Ehrenerklärung“ muss die Schulbehörde aber nicht abgeben, urteilten die Richter nun. Denn die Schulverwaltung habe „sehr wohl Anhaltspunkte für Dienstpflichtverletzungen der Klägerin erkannt“, so die Richter. Vor allem aber müsse sich die Behörde in der Öffentlichkeit zu dem Fall gar nicht mehr äußern. Zumal „eine Wiederholungsgefahr auszuschließen“ sei, da Frau Sarrazin im August 2011 auf eigenen Wunsch vorzeitig den Schuldienst verließ.

Ursula Sarrazin , 60, hatte in ihrer Klage zehn Punkte formuliert, die die Bildungsverwaltung bestätigen sollte. So sollte die Behörde unter anderem klarstellen, dass die Lehrerin keinen ihr anvertrauten Schüler als „armseliges Opfer“, als „Hauptschüler“ oder „Schmarotzer“ bezeichnet habe. Auch wollte Frau Sarrazin öffentlich klar gestellt wissen, dass sie ihre Schüler nicht angeschrien, gedemütigt oder zum Weinen gebracht habe. Genau dies hatten Eltern im Januar 2011 behauptet. Zudem wollte Sarrazin festgestellt haben, dass sie keine Dienstrechtsverletzung begangen habe. Ursula Sarrazin beharrte stets darauf, dass sie wegen ihren hohen Leistungsanforderungen angefeindet worden sei.

Drohmails von Rechtsradikalen

Für eine Beamtin wie sie habe die Bildungsverwaltung eine Fürsorgepflicht. Die Richter wiesen die von Frau Sarrazin geforderte „Ehrenerklärung“ auch deshalb ab, weil „die damit begehrten Tatsachenbehauptungen inhaltlich weder offenkundig zutreffend noch als wahr erwiesen sind“. Vielmehr würden die Vorwürfe von der Bildungsverwaltung „teilweise als aufklärungsbedürftig, teilweise als zutreffend angesehen“. Der damals zuständige Abteilungsleiter Erhard Laube hatte seinerzeit „zureichende Anhaltspunkte, die den Verdacht von Dienstvergehen rechtfertigen“, wie es in der nun vorliegenden schriftlichen Urteilsbegründung heißt.

Der Leiter der Reinhold-Otto-Grundschule hatte Anfang 2011 die Versetzung der umstrittenen Lehrerin an eine andere Schule beantragt. Daraufhin stellte Frau Sarrazin Dienstaufsichtsbeschwerde gegen ihren Schulleiter und einen Klassenlehrer, schließlich auch gegen den Oberschulrat. Als sie öffentlich „zwei bis drei Eltern türkischer Kinder“ für die Anschuldigungen gegen sie verantwortlich machte, erhielt der Schulleiter Drohmails von Rechtsradikalen. Ursula Sarrazin wollte sich am Dienstag auf Anfrage ebenso wenig äußern wie ihr Anwalt Erasmus Hardtmann. „Wir haben der Entscheidung des Gerichts nichts hinzuzufügen“, teilte die Schulverwaltung mit.