Berlin - Eigentlich sollte der Prozess gegen Nasser R. am Mittwoch enden. Das Mitglied eines kriminellen arabischen Clans muss sich derzeit wegen eines mutmaßlichen Bandenkriegs mit Tschetschenen vor dem Amtsgericht Tiergarten verantworten. Doch der Prozess musste unterbrochen werden. Am Mittag klagte der Angeklagte über Unwohlsein. Als der Sanitäter kam, soll sich Nasser R. erbrochen haben, woraufhin ein Rettungswagen gerufen wurde. Nun soll das Verfahren gegen den 44-Jährigen am 4. August enden, so es dem Angeklagten bis dahin wieder gut geht.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem mehrfach vorbestraften Mann vor, zusammen mit weiteren unbekannten Mittätern am 7. und 8. November vergangenen Jahres auf dem Vorplatz des Bahnhofs Gesundbrunnen in Wedding mehrere Tschetschenen mit Eisenstangen, Schlagstöcken und Messern angegriffen und zum Teil schwer verletzt zu haben. Die Angriffe sollen ein Racheakt gewesen sein. Wenige Stunden zuvor hatten Tschetschenen den Spätkauf in der Wildenbruchstraße in Neukölln überfallen, der der Großfamilie des Angeklagten zugerechnet wird.

Nasser R. sitzt wegen der Gewalttätigkeiten in Gesundbrunnen seit 18. Februar in Untersuchungshaft. Er wurde anhand einer Fußfessel als einer der mutmaßlichen Täter der blutigen Auseinandersetzungen zwischen Tschetschenen und Clan-Angehörigen identifiziert. Die Fußfessel musste er seit seiner letzten Haftentlassung tragen. Zuvor hatte Nasser R. eine Freiheitsstrafe wegen Drogenhandels bis zum letzten Tag absitzen müssen.