Potsdam - Es ist dieses triumphierende Lächeln, dass immer wieder auf den Lippen von Maik Schneider erscheint. Der einstige NPD-Stadtverordnete in Nauen (Havelland) ergreift vor Gericht immer wieder das Wort, stellt Antrag um Antrag, und freut sich dann, wenn die Richter die Verhandlung erneut unterbrechen müssen, um darüber zu entscheiden.

Es ist der elfte Verhandlungstag in dem Prozess vor dem Landgericht Potsdam, bei dem es um den verheerenden Brandanschlag auf eine Turnhalle in Nauen im August 2015 geht. Einhundert Flüchtlinge sollten dort vorübergehend einziehen, doch ehe es dazu kam, zerstörte ein Feuer die Halle. 49 Zeugen wurden bereits gehört und sieben Sachverständige gaben ihre Expertise ab. Am Dienstag sollte das Verfahren mit den Plädoyers eigentlich dem Ende entgegen gehen.

Anhörung einer Wetterexpertin

Der 29-jährige Maik Schneider soll der Drahtzieher des Anschlags gewesen sein. Er soll das Feuer geplant und zusammen mit zwei der mitangeklagten fünf Rechtsextremisten gelegt haben. Es geht um Brandstiftung. Es geht zudem um einen Brandanschlag auf das Auto eines Polen, und es geht um eine Stadtverordnetenversammlung, die von Demonstranten massiv gestört wurde.

Der Vorwurf der Bildung einer kriminellen Vereinigung gegen fünf der sechs Angeklagten ist aus „prozessökonomischen Gründen“ vom Tisch. Ebenso der Sprengstoffanschlag vor einem Supermarkt. Und auch das ist eine Neuerung: Schneider, der noch in U-Haft sitzt, hat sich einen zweiten Anwalt geholt. Ulli H. Boldt, einst selbst in der rechten Szene unterwegs, ist nun dabei.

Am Vormittag, noch bevor Schneider sein triumphierendes Lächeln aufsetzen konnte, hatte Richter Theodor Horstkötter 29 Beweisanträge abgelehnt, die Schneider, seine Anwälte und ein Mitangeklagter am vorherigen Verhandlungstag gestellt hatten. Darunter solche Anträge wie auf Vernehmung eines „Zuschauers mit blauem Pullover“, der offenbar als Polizist seiner Behörde über den Fortgang des Verfahrens berichten soll. Welchen Sinn dies haben sollte, konnte das Gericht nicht erkennen. Antrag abgelehnt. Oder die Vernehmung eines Schulkameraden, der bezeugen könne, dass Schneider in der Schule nie rassistisch aufgefallen sei und sogar ein Anti-Rassismus-T-Shirt getragen habe. Abgelehnt.

Die Anhörung einer Wetterexpertin, die sagen kann, dass es in der Brandnacht stark regnete und Schneider deswegen nicht davon ausgehen konnte, dass das Feuer auf die gesamte Halle übergreifen würde. Denn der Hauptangeklagte sagt, er habe die Eingangsbereich mit dem Feuer nur „einrußen“ und damit ein Zeichen setzen wollen. Horstkötter lehnt ab. Das Feuer sei schließlich im überdachten und damit vor dem Regen geschützten Bereichs des Eingangs gelegt worden.

Antrag Nr. 29: Anhörung eines Brandsachverständigen, der beweisen soll, dass die Holzpaletten, Autoreifen und die Gasflasche nicht gleich neben der Turnhalle, sondern zwei Meter entfernt aufgestapelt und angezündet wurden. Abgelehnt. Horstkötter verweist darauf, dass bereits ein Gutachter gehört wurde. Der habe festgestellt, dass das Material im unmittelbaren Eingangsbereich angesteckt wurde, dort, wo die Fußmatte lag.

Als nun endlich die Mehrheit im Saal denkt, das Gericht könne die Beweisaufnahme schließen, meldet sich Schneiders Anwalt. Er will durch ein Gutachten belegt wissen, dass der Schaden, den das Feuer angerichtet hat, bei weniger als eine Million Euro liegt und der Komplettabriss unwirtschaftlich war. Die Staatsanwaltschaft geht von einer Schadenssumme von dreieinhalb Millionen Euro aus. Abgelehnt. Der Antrag sei aufs Blaue hinein gestellt, sagt Horstkötter in stoischer Ruhe.

Dann hebt Maik Schneider wieder den Arm. Am Ende des Tages sind es 35 Anträge, über die die Richter entschieden haben werden. 33 werden abgelehnt, zwei Mal werden Zeugen aus dem Saal gehört.