Berlin - Wir kennen das: „Berlin, Berlin. Wir fahren nach Berlin!“ Im Laufe der Jahrzehnte des DFB-Pokalfinales in Berlin ist aus dem abstrakten „wir“ (der Verein) ein konkretes „wir“ (die Fans) geworden. Spätestens ab Freitagabend wird es so sein wie immer, wenn Cup-Finale ist: Tausende Besucher – diesmal in Schwarz-Gelb (Borussia Dortmund) beziehungsweise Rot-Weiß (Bayern München) – werden das Wochenende zum Ausflug in die Hauptstadt nutzen. Sie werden durch die Stadt streunen, einkaufen, essen, trinken und sich schließlich am Breitscheidplatz versammeln, um … Ja, was eigentlich? Das Olympiastadion am Samstagabend ist ausverkauft. Wer keine Karte hat, wird in Kneipen sitzen und das Spiel im Fernsehen gucken. Organisierte Fanarbeit sieht anders aus.

Bayern-Anhänger sind nicht eingeladen

Doch diesmal will es zumindest ein Finalist anders machen. Borussia Dortmund lädt seine Fans zum Public Viewing in die Waldbühne, nahe dem Stadion. Mit der Betonung auf „seine Fans“. Der Hauptsponsor, ein Energieunternehmen aus dem Ruhrpott, will für 16.000 BVB-Anhänger ein Fest mit Fußball-Übertragung machen. Tickets für 9 Euro gibt es seit Montagnachmittag über die Club-Homepage. Und nur dort. Bayern-Anhänger sind zwar nicht ausgeschlossen, aber auch nicht wirklich eingeladen.

Zuletzt mussten Sicherheitsfragen geklärt werden, etwa, dass die Zuschauer zeitgleich in Waldbühne und Olympiastadion kommen können. Nach Worten von Senatssprecher Richard Meng gebe es aus Berliner Sicht mittlerweile „keine Probleme“.

"Entscheidend sind die Fans im Stadion"

Und Endspielgegner FC Bayern? Sprecher Markus Hörwick gibt sich ein bisschen grantig, wenn es um den Sonnabend geht. „Das Entscheidende sind die Fans im Berliner Olympiastadion – und nicht die in der Waldbühne“, sagt er, wohlwissend, dass auch im Stadion der Fan-Anteil kaum ausgeglichen sein wird. Zwar sitzen dort rein rechnerisch je 20.500 Fans beider Teams – so groß waren die Kontingente der Finalisten. Der Rest der 76.000 Zuschauer sind Neutrale, allerdings erwartet Dortmund nach den jüngsten Erfolgen eine schwarz-gelbe Übermacht.

Die Bayern konzentrieren sich auf einen Sonnabend später, das UEFA-Champions-League-Finale gegen Chelsea in der eigenen Stadt, im eigenen Stadion. Nun mietet der Club seine alte Spielstätte, das Münchner Olympiastadion, für 65.000 Zuschauer zum Leinwand-Gucken. Außerdem ist ein Public Viewing auf der Theresienwiese für 40 000 Menschen geplant. Geht doch! Nur nicht in Berlin.

Ernst-Peter Radziwill, beim Deutschen Fußball Bund (DFB) für die Organisation des Pokalfinales zuständig, sagt, seinem Verband wäre ein zentraler Platz für Fans beider Lager in Berlin lieber gewesen. Am besten an einem festen Ort. Doch Vorschläge wie das Tempelhofer Feld, das Mommsen-, oder das Jahnstadion habe Berlin aus Platzgründen stets abgelehnt.

Bliebe eine Pokal-Fanmeile auf der Straße des 17. Juni, wie zuletzt 2008. Doch sie hatte nichts von den lustvollen Partys zu EM oder WM am selben Ort. Derzeit gebe es keine Pläne für eine Neuauflage, sagt Organisator Gerald Ponesky.