Manchmal sind Dinge so simpel, dass man fast nicht glauben möchte,  dass sie eine Antwort bereithalten könnten. Am Sonntag trafen sich zum siebten Mal Menschen auf dem Berliner Gendarmenmarkt, um auf der Pulse-of-Europe-Kundgebung ein Zeichen für Europa zu setzen.

Ode an die Freude

Sie standen vor dem Konzerthaus, hielten blaue Fahnen mit gelben Sternen in die Höhe und sangen die Ode an die Freude, die Europahymne. Sie kamen, weil sie Europa für eine gute Sache halten. Weil sie gern in der EU leben. Und weil sie das allen, die Angst schüren und eine Politik der Abschottung predigen, zeigen wollen. Eine Zusammenkunft mit einfacher Botschaft: Wir sind dafür!

Doch vielleicht ist der Gedanke zu simpel, um ohne Skepsis angenommen zu werden. Das Anliegen der Bürgerinitiative sei zu schwammig, monieren Kritiker. Die Initiatoren haben ein in der Tat vages 10-Punkte-Papier aufgestellt, indem etwa Sätze stehen wie „Europa darf nicht scheitern“ oder „Misstrauen ernst nehmen“.

Ist das Ziel zu vage?

Auf Spiegel Online warnt Politologin Ulrike Guérot, ohne klare  Forderungen breche jede Bewegung schnell zusammen. Auch die Medien berichteten Anfangs nur zögerlich über die wöchentlichen Versammlungen.

Eine Kundgebung, die sich für anstatt gegen etwas ausspricht, die nicht von der Europäischen Union finanziert ist, sondern durch Spenden, und die scheinbar ohne Eigeninteresse und Lobbyismus daherkommt – vielleicht erschien das schlicht zu simpel, um wahr zu sein.

Gemeinsam gegen den Populismus

Doch muss eine Bewegung immer anklagen? Muss sie immer einen Umsturz propagieren? Kann sie nicht schlicht Mut verbreiten? Kann sie nicht einfach hoffen, dass dieser Mut ein paar Menschen ansteckt, die sich ansonsten  möglicherweise von der Angst der Populisten fangen lassen würden? Kann sie  nicht bloß eine Lösung suchen, in gemeinsamen Gesprächen und Diskussionen, anstatt direkt eine Lösung bereitzuhalten?

Sie kann. Und sie sollte. Die Rechten, die Populisten, sie poltern schließlich schon laut genug. Wenn also eine Bewegung Teile der schweigenden Mehrheit mobilisiert, um ihnen entgegenzutreten, dann ist das wunderbar. Vielleicht hat Pulse of Europe noch kein Manifest in der Tasche – aber eine laute, gemeinsame Stimme ist schon mal ein guter Anfang. Ganz simpel eigentlich.