Berlin - Die Punkband Feine Sahne Fischfilet darf doch weiter in der Zitadelle Spandau auftreten. Laut eines Medienberichtes hieß es zunächst, dass die Band hier nicht mehr spielen dürfe. Allerdings hat der Bezirk ein Problem mit dem Veranstalter der Band.

Das Bezirksamt Spandau will in der Zitadelle keine weiteren Konzerte mehr stattfinden lassen, die vom Veranstalter Festsaal Kreuzberg organisiert wurden. Hintergrund ist das Konzert von Feine Sahne Fischfilet vom 23. August, bei dem es nach Auskunft des Bezirksamtes zu mehreren Verstößen gekommen sein soll.

Laut Berichten vom Tagesspiegel soll der CDU-Bezirksstadtrat von Spandau, Gerhard Handke, am Mittwoch auf eine Anfrage der AfD-Fraktion in der Bezirksverordnetenversammlung gesagt haben: „Sie werden diese Gruppe dort nicht mehr sehen, das kann ich Ihnen zusagen.“

Der Berliner Zeitung sagte Handke am Donnerstag jedoch, dass die Band auch in Zukunft auf der Zitadelle Spandau Konzerte veranstalten dürfe. „Das Bezirksamt Spandau hat zu keiner Zeit Auftritte der Band untersagt. Lediglich der Veranstalter Festsaal Kreuzberg ist, aufgrund der Schwere der Vorkommnisse, zukünftig als Veranstalter ausgeschlossen worden“, so Handke.

Politische Diskussion sorgt für Zoff

Konkret soll eine „ausdrücklich nicht genehmigte politische Veranstaltung zu Beginn des Konzertes“ stattgefunden haben. Handkes Referent, Daniel Scheytt, erklärte, dass politische Veranstaltungen in der Zitadelle erst ab 19 Uhr stattfinden dürften, damit die Kulturgäste sich tagsüber nicht gestört fühlten. Das hätten die Veranstalter ignoriert, so Scheytt. Ab 18.30 Uhr habe auf der Bühne eine Diskussion um den Umgang der Zitadelle mit der AfD stattgefunden. Die AfD hatte die Zitadelle zuvor häufiger für Veranstaltungen genutzt. „So wie alle Parteien“, bemerkte der Referent.

Zudem soll aus der Besuchermenge ein bengalisches Feuer gezündet und Rauchwerfer benutzt worden seien. Von der Bühne wurde zudem Alkohol in Glasflaschen ausgegeben – auf der Zitadelle sind nur Plastikbecher erlaubt. Weitere Verstöße laut Bezirksamt: Anti-AfD-Aufkleber, die man an einem Stand kaufen konnte und die anschließend auf dem Gelände verklebt wurden.

Künftig stärkere Personenkontrollen

Das Bezirksamt zieht noch weitere Konsequenzen. Es will künftig die Zugangskontrollen verstärken, um verbotene Gegenstände aufzufinden. Und politisch relevante Konzerte sollen nur noch durch den Hauptkonzertveranstalter durchgeführt werden – dieser ist Trinity, der für eine Stellungnahme am Donnerstag nicht zu erreichen war und einen Vertrag mit dem Festsaal Kreuzberg hat.

Letztere zeigten sich am Donnerstag überrascht von den Vorwürfen. „Wir sind gerade etwas verwundert darüber, dass Wochen nach dem Konzert solche Vorwürfe laut werden. Bevor wir uns dazu äußern, wollen wir allerdings erstmal ein paar Infos einholen“, hieß es.

Daniel Wesener, Kultursprecher bei den Grünen, sagte der Berliner Zeitung, dass sich die CDU „wieder einmal zum Büttel der AfD und ihrer Kampagne gegen politisch engagierte Kulturschaffende“ mache. Man bediene sich vielleicht ordnungsrechtlicher Argumente, sei  aber kaum verhohlen politisch motiviert, so Wesener. Das sei ein verheerendes Signal für Berlin als Kulturhauptstadt, den gemeinsamen Kampf gegen Rechts und die Kunstfreiheit.

Vor rund einem Jahr gab es schon mal eine Debatte um einen Auftritt der Punkband in Dessau. Die Stiftung Bauhaus hatte vor rund einem Jahr ein Konzert von Feine Sahne Fischfilet abgesagt, weil sie Sorge vor rechtsextremen Protesten hatte und damit massive Kritik auf sich gezogen.