Das Schulessen wird ab 1. Februar teurer, damit die Qualität der Mahlzeiten besser wird. Derart hatte der Senat die Preiserhöhung begründet und das Grundschulessen neu ausgeschrieben. Inzwischen steht fest, wer bei der Ausschreibung an den einzelnen Schulen zum Zuge gekommen ist. Das Kuriose daran: An viele Schulen wird wieder der Großcaterer Sodexo liefern, dessen verkeimte Erdbeeren aus China die Debatte um die Qualität der Schulspeisung vor einem guten Jahr erst richtig in Gang gebracht hatten. Wie aber wird sichergestellt, dass das Essen tatsächlich besser wird – und nicht nur die Rendite der Essensanbieter größer?

In der Bildungsverwaltung bereitet eine Arbeitsgruppe zur Zeit ein effektives Kontrollsystem vor: Möglichst bald soll eine fachliche Kontrollstelle mit vier Mitarbeitern eingerichtet werden, die beim Amt für Lebensmittelaufsicht in Pankow angesiedelt sein wird. Die Mitarbeiter inspizieren dann die zahlreichen Großküchen der Caterer, von denen aus die Schulen meist beliefert werden. Geprüft werden soll, ob tatsächlich keine Geschmacksverstärker, keine künstlichen Farbstoffe oder Aromen im Essen landen. Und ob vorzugsweise frische, unbehandelte Zutaten eingesetzt werden, wie es in den Verträgen mit den Caterern festgelegt ist.

Mindestlohn von 8,50 Euro

Auch ein Blick in die Bilanzen von Caterern ist dann womöglich hilfreich, um zu sehen, wie viel von dem eingezahlten Geld tatsächlich auf dem Teller landet. Die monatlichen Elternbeiträge für das Schulessen steigen immerhin von 23 auf 37 Euro, auch das Land zahlt mehr. Statistisch kostet eine Essensportion künftig 3,25 Euro.

Die Bezirksämter sollen dann die genaue Vertragseinhaltung vor Ort in den Schulen überprüfen. Ob die Mitarbeiter in der Essensausgabe tatsächlich den vertraglich festgelegten Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde erhalten, wäre dabei nur ein zu prüfender Sachverhalt. Natürlich geht es auch darum, wie lange die Speisen tatsächlich warmgehalten werden. Maximal drei Stunden dürfen die Speisen nach den neuen Regeln warmgehalten werden. Damit nicht alles verkocht.

Auch der Bioanteil im Essen war ein Kriterium bei der Ausschreibung. Ein Grund, wieso der Caterer Luna, der traditionell viel Biokost anbietet, recht erfolgreich ist im aktuellen Ausschreibungsverfahren. Ab 55 Prozent Bioanteil erhielt ein Bieter die höchstmögliche Zahl von zehn Punkten, bei einem Bioanteil von 46 bis 55 Prozent gab es noch acht Punkte. Neun Punkte, wie sie Sodexo laut Abschlusstabelle an mehreren Schulen in Steglitz-Zehlendorf zugebilligt wurden, waren aber gar nicht vorgesehen.

Vor Ort in den Schulen kommt den gewählten Essensausschüssen, denen Eltern, Pädagogen und Schüler angehören, eine wichtige Rolle zu. Sie haben nahezu täglich mit dem Schulessen zu tun und sollen schauen, ob alles gut läuft. In Konfliktfällen sind sie gehalten, sich mit dem Caterer in Verbindung setzen, wenn nötig auch das Bezirksamt einschalten.

Jeder Bezirk hat erstmals die Möglichkeit, einen Essensanbieter mit einer Frist von sechs Monaten zu kündigen. In den Bezirken umstritten ist noch, ob man das einfach so tun kann oder man dafür eine Vertragsverletzung des Caterers nachweisen muss.

Die Caterer selbst betonen, dass sie mit den zusätzlichen Einnahmen mehr Rohkost und überhaupt mehr Komponenten im Essen anbieten können. „Bisher mussten wir häufiger auch Eintopf servieren“, sagt Rolf Hoppe, Firmenchef von Luna und Sprecher der großen Berliner Essensanbieter.

Kritik am bürokratischen Ausschreibungsverfahren wurde zuletzt heftiger, weil in mindestens 40 Fällen das Votum des schulischen Essensausschuss durch das der Ersatzjury, bestehend aus Bezirksamtsmitarbeitern, ersetzt worden ist. Das passiert, wenn die Abweichungen bei mindestens zwei von vier getesteten Qualitätsmerkmalen (Aussehen, Geruch, Geschmack, Mundgefühl) jeweils bei 7,5 Punkten und darüber liegen. Die Verwaltung begründet das damit, dass das Vergaberecht nicht durch gezielte Absprachen der Essensausschüsse zugunsten eines Caterers verletzt werden dürfe. Es kommt vor, dass der Lieblings-Caterer bevorzugt wird, vor drei Jahren ist solch ein Fall vor dem Kammergericht verhandelt worden. Aufgrund dieser Ersatzjury-Regelung kam es dazu, dass etwa an der Schweizerhof-Grundschule in Zehlendorf am Ende doch Sodexo den Zuschlag erhielt. „Das können wir nicht nachvollziehen“, sagt Sonja Bähr, Elternvertreterin im schulischen Essensauschuss.