Gefängnisalltag ist sicherlich nicht einfach, richtig kompliziert wird es dann unter Coronabedingungen. In der Berliner Justizvollzugsanstalt (JVA) Heidering im brandenburgischen Großbeeren bei Berlin wurden mehrere Gefangene positiv auf das Coronavirus getestet. Alle Insassen durften daher seit dem 22. November ihre Zellen nicht verlassen. Die JVA hat über 647 Haftplätze. Dieser Zustand hielt auch noch bis Dienstag an, bestätige die Berliner Justizverwaltung, die für die JVA verantwortlich ist, auf Nachfrage.

In der vergangenen Woche wurde ein Gefangener einer Teilanstalt positiv getestet. Die daraufhin veranlassten Pooltestungen hätten drei weitere Fälle ergeben. Die Kontaktnachverfolgung ergab, dass einer der Gefangenen derart viele Kontakte zu Häftlingen aus allen drei Teilanstalten hatte, dass das Geschehen nur über einen „vollzuglichen Lockdown“ aufzuklären sei. Alle Insassen blieben danach unter Verschluss und wurden PCR- getestet, was 17 weitere positive Fälle ergab.

„Aus unserer Sicht ist nun nicht mit weiteren Infektionen aus dieser Kette heraus zu rechnen“, erklärte Justizsprecher Sebastian Brux. „Deshalb sind wir bereit, den vollzuglichen Lockdown aufzuheben.“ Das örtliche Gesundheitsamt hatte dafür aber noch keine Freigabe erteilt. Erst am Dienstagnachmittag kam die Mitteilung, dass ab Mittwoch der Lockdown aufgehoben und das normale Anstaltsleben ab Mittwochmorgen wieder losgehe.

Schleppten Angestellte einer Drittfirma das Virus ein?

Den Gefangenen würden Freistunden unter Berücksichtigung des organisatorisch Möglichen gewährt. Besuch dürfen sie nicht empfangen. Natürlich würden auch Bedienstete getestet. Laut „B.Z.“ hätten 15 infizierte Insassen in die JVA Tegel verlegt werden müssen, wo sich der zentrale Quarantänebereich für einige Männeranstalten Berlins befindet. Zudem seien zwei Mitarbeiter infiziert gewesen.

Die Berliner Zeitung erreichten Hinweise, dass der Verdacht bestehe, Angestellte von Drittfirmen hätten das Coronavirus eingeschleppt, da diese weder einen Test noch einen Nachweis beim Betreten der JVA vorzeigen müssten. Auf Nachfrage sagte die Justizverwaltung dazu nur: „Der Ursprung der Infektion ist unklar.“