Berlin - Erneute Wende rund um das Luxuskaufhaus Quartier 206 an der Friedrichstraße: Das Berliner Landgericht hat entschieden, dass die Zwangsversteigerung an die Luxemburger RFR-Gruppe rechtswidrig war. Den Zuschlag erhält nun doch das Jagdfeld-Unternehmen Kölnstraße 89 GmbH & Co. KG. Das teilte ein Sprecher der Gruppe am Mittwoch mit.

Gerichtssprecher will sich nicht äußern

Bei der Zwangsversteigerung des Kaufhauses am 8. Juni hatte das Unternehmen mit 225 Millionen Euro bereits das höchste Gebot für die Immobilie abgegeben. Das Amtsgericht Mitte wies die Offerte allerdings zurück, die zuständige Rechtspflegerin sah keine ernsthaften Erwerbsabsichten. Das Quartier 206 ging daher an die RFR-Gruppe, die fünf Millionen Euro weniger geboten hatte. Das Landgericht Berlin hat diese Entscheidung nun offenbar revidiert. Auf Anfrage der Berliner Zeitung wollte ein Gerichtssprecher die Mitteilung des Unternehmens „weder bestätigen noch dementieren“, da noch nicht alle Beteiligten informiert seien.

Laut der Jagdfeld-Gruppe sind gegen den Beschluss keine Rechtsmittel mehr möglich. „Nach zehn langen Jahren höchst unbefriedigender Zwangsverwaltung durch die Banken, in denen der bisherigen Eigentümerin die Hände gebunden waren, haben wir jetzt endlich die Möglichkeit, das Landmark-Gebäude ‚Quartier 206‘ zu altem Glanz zurückzuführen“, wird Anno August Jagdfeld in der Pressemitteilung zitiert. Der Immobilienunternehmer hatte das Quartier 206 einst gebaut. Seit dem Jahr 2011 stand das Gebäude unter Zwangsverwaltung. Die Gläubiger, ein Bankenkonsortium um die Credit Suisse International, versuchten mehrfach, das Kaufhaus abzustoßen.

Hohe Schulden im Grundbuch

Im vergangenen Sommer sollte es schon einmal versteigert werden. Dabei erhielt ein Unternehmen, die Phönix GmbH & Co. KG, den Zuschlag, das mit Jagdfeld in Verbindung gebracht wird. Den Gläubigern kamen Zweifel, dass die Firma über die entsprechende Bonität verfügt. Deshalb stoppten sie das Verfahren. Der Verkehrswert wurde seinerzeit auf 39 Millionen Euro festgelegt, im Grundbuch sollen allerdings mindestens 180 Millionen Euro Schulden stehen.