Hochverehrte „Gesellschaft für deutsche Sprache“! Wenn Sie das nächste Mal das Wort des Jahres wählen, dann möchte ich Ihnen hiermit „Seiteneinsteiger“ ans Herz legen. Seien Sie versichert: Kein Wort tauchte im vergangenen Jahr so häufig in der „Tagesschau“ auf, ich habe gezählt und – was wohl noch wichtiger ist, habe mich auf Partys umgehört. Zumindest in Berlin, aber dort wird ja entschieden, worüber geredet wird in diesem Lande.

Zur Definition: Seiteneinsteiger sind die Gelben Engel des Bildungswesens. Sie ersetzen in der Bildungsmaschinerie, wofür es keine Originalteile mehr gibt. In Berlin, und schlimmer noch im ländlichen Brandenburg, fiel so viel Schulunterricht aus, dass die Bildungsministerien – um die auch hier in dieser Zeitung heraufbeschworene Bildungskatastrophe abzuwenden – kurzerhand den Seiteneinsteiger erfanden. Oder die Seiteneinsteigerin, und somit in gewisser Weise auch: mich. Berlinerin, 49 und seit Jahren in dieser freiberuflichen, schlecht bezahlten Autoren-Existenz verfangen – und von einer immer wieder aufflammenden Sehnsucht nach Sicherheit und Sinn geplagt.

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