Radbahn unter der U1: Fahrradschnellweg vom Bahnhof Zoo nach Kreuzberg

Neun Kilometer unter den Gleisen der Hochbahn: Die Pläne für Berlins erste Radbahn entlang der U-Bahnlinie 1 werden konkreter. Am Dienstagabend hat das Planerteam der Strecke eine 140-seitige Machbarkeitsstudie vorgestellt, die ihr ein "baulich realisierbar" bescheinigt.

Bereits im Herbst 2015 hatte die Gruppe, in der sich vor allem Architekten und Stadtplaner engagieren, vorgeschlagen, den Weg unter dem Viadukt zu einem Fahrrad-Highway auszubauen, auf dem man abseits des Autoverkehrs entspannt durch die Innenstadt radeln kann.

Ein Jahr lang hatte sie zuvor an einem Konzept gefeilt, wie das Radfahren auf der stark frequentierten Ost-West-Achse zwischen dem Bahnhof Zoo, Kreuzberg und der Warschauer Brücke in Friedrichshain angenehmer werden könnte.

Zunächst keine Unterstützung vom Senat

Heraus kam die Idee, den bisher vernachlässigten Weg unter dem Hochbahn-Viadukt der U1 und der U2 in eine neun Kilometer lange Fahrradstrecke zu integrieren. „Die Radbahn unter dem Viadukt wäre der erste überdachte Fahrradweg in Deutschland, nach unseren Recherchen sogar weltweit in dieser Länge“, sagte Simon Wöhr vom Radbahn-Team. Am Rand wäre Platz für andere Nutzungen wie Cafés, Treffpunkte, Ruhezonen. 

Doch die Idee bekam damals - genau wie die für einen Radschnellweg auf der Bahntrasse neben der S-Bahn-Linie S1 in Schöneberg und Steglitz - keine Unterstützung im Senat. So seien die Flächen unter der Hochbahn „sehr sensible Bereiche, die nur eingeschränkt oder mit hohen Kosten nutzbar sind“, hieß es damals. Zuständig als Stadtentwicklungssenator war da noch Andreas Geisel (SPD).

Der Bereich würde für Wartungsarbeiten gebraucht, oft sei zwischen den Stützen wenig Platz. Radwege auf Mittelstreifen könnten nur schwer mit dem umgebenden Radverkehrsnetz verbunden werden. Ähnlich schwierig sei es, die „Radbahn“ über den Landwehrkanal zu führen, hieß es.

Fahrradverleih und Zwischenstopp am Strand

Jetzt, wo ein detailliertes Konzept vorliegt, das nicht nur diese Einwände, sondern auch wirtschaftliche Faktoren berücksichtigt, scheint sich das Blatt zu wenden. Drei bis vier Meter breit und mit einem reifenfreundlichen Belag, dessen Solarzellen gleichzeitig Strom produzieren, stellen sich die Planer den Radweg vor. An den Endstationen soll es Fahrradverleihe und Stellplätze geben und als Zwischenstopp eine Holzterrasse mit Strand auf Höhe der Möckernbrücke.

„Verwegene Ideen haben Unterstützung verdient, um eine Chance auf Realisierung zu haben“, sagte Verkehrsstaatssekretär Jens-Holger Kirchner (Grüne). Der neue rot-rot-grüne Senat will Berlin zur Fahrradstadt ausbauen: Die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz hat eine Arbeitsgemeinschaft mit einer umfassenden Studie zu Radschnellverbindungen in der Hauptstadt beauftragt.

Die Trasse auf den stillgelegten Gleisen der Potsdamer Stammbahn wurde bereits detailliert geprüft, bis Ende 2017 soll die Umsetzbarkeit von mindestens zwei weiteren Trassenkorridoren untersucht und dabei auch die Kosten ermittelt werden. Zudem wird Berlin das erste Bundesland mit einem eigenen Fahrradgesetz. Wenn es nach den Berlinern geht, ist die Unterstützung für die neue Route, die am Bahnhof Zoo starten soll, groß: 11.400 Fans hat die Facebook-Seite "Radbahn" bereits. (BLZ)