Berlin - Juliane Schumacher, 29,  ist aus Leidenschaft und Überzeugung Radfahrerin, was in ihrer Heimatstadt Berlin oft ein abenteuerliches Unterfangen ist. Sie schreibt darüber in dem Blog radelmaedchen.de und hat ihre Erlebnisse  jetzt  in einem Buch zusammengefasst: „How To Survive als Radfahrer – Wie man auf dem Fahrrad in der Stadt überlebt“ (Schwarzkopf & Schwarzkopf, 258 S., 9,90 Euro). Ein ganzes Kapitel hat sie dem gefürchtetsten aller Verkehrsteilnehmer gewidmet: dem Kampfradler.

Wie erkennt man einen Kampfradler?
Er fährt aggressiv, verbissen, oft schnell, und denkt dabei nicht an andere, sondern nur an sich. Er sieht das Radfahren als Kampf, daher kommt ja der Begriff: gegen die Zeit, gegen die Welt, gegen die anderen Verkehrsteilnehmer, denen er sich moralisch überlegen fühlt.

Er glaubt, sich für ein höheres Gut über die Straßenverkehrsordnung hinwegsetzen zu können?
Klar, er verpestet nicht die Stadt, er verfeuert keine fossile Energie, er verstopft nicht die Straßen. Dennoch ist die Straßenverkehrsordnung für alle gleich. Und gerade der sollte sie beachten, der das Gefühl hat, nicht immer als gleichberechtigter Verkehrsteilnehmer ernst genommen zu werden.

Geht es nicht einfach darum, möglichst schnell voranzukommen?
Aber dafür werden Ampeln missachtet, Fußgängerübergänge benutzt, Abkürzungen über den Gehweg genommen. Am Ende hat man eine halbe Minute gewonnen. Was ich gar nicht verstehe, ist dieses sinnlose Vorrollen zur Querstraße bei roter Ampel.

Was ärgert Sie besonders?
Radfahrer, die man zunächst gar nicht als Kampfradler erkennt: die grundsätzlich auf dem Gehweg radlen oder, besonders schlimm, den  Radstreifen auf der Straße in die entgegengesetzte Richtung fahren. Mit denen rechnet man nämlich nicht, und das  kann dann echt brenzlig werden.


Was war Ihr bislang krassestes Erlebnis mit einem Kampfradler?
Eine Sie, mittleren Alters, mit einem Jungen, vielleicht 10, 12 Jahre. Ich stand an einer Kreuzung, und erst rollte das Kind an mir vorbei, hielt aber an der Haltelinie. Dann kam die Mutter, aber sie rollte weiter bis an die Fahrspur der kreuzenden Straße. Kaum war die Straße frei, trat die Frau in die Pedale und fuhr über die Kreuzung. Die Ampel war immer noch rot. Dem Kind blieb  nichts anderes übrig, als seiner Mutter nachzufahren. Ich konnte das gar nicht glauben. Keine Rücksicht nehmen auf irgendwas und dann auch noch das  Kind da mitzuziehen. Das macht mich sprachlos.

Wie vermeide ich, selbst zum Kampfradler zu werden?
Bewusst fahren, abbremsen, Rücksicht nehmen, Blickkontakt mit anderen Verkehrsteilnehmern  – all das bringt positives Feedback, und das lohnt sich und entspannt.  Überleg dir immer: Ist es die halbe Minuite wert, dass ich jetzt unentspannt bin?