Immer wieder kommt es auf der Kastanienallee in Prenzlauer Berg zu Konflikten, wenn Fahrradfahrer den dort vorgeschriebenen Radweg im Bereich der Straßenbahn-Haltestellen benutzen. Denn der etwa ein Meter breite Fahrradweg verläuft genau zwischen Wartehäuschen und Bordsteinkante, schnell fahrende Radler schrecken oft wartende Fahrgäste auf.

Nun hat das Verwaltungsgericht die Radwegebenutzungspflicht für diese Stellen aufgehoben, bestätigte ein Gerichtssprecher. Wird die Entscheidung rechtsgültig, können Radfahrer wieder auf der Straße fahren und müssten dann, wenn eine Straßenbahn an einer Haltestelle anhält, hinter dieser warten.

Die Entscheidung ist von stadtweiter Bedeutung, weil wegen der geforderten Barrierefreiheit an vielen Orten diese so genannten Haltestellenkaps geplant werden. Geklagt hatte im konkreten Fall ein Fahrradfahrer. Er war der Auffassung, dass mit der neuen Radwegeführung über den Haltestellenbereich eine neue, erhöhte Gefahrenlage geschaffen worden sei.

Die Verkehrslenkung Berlin hatte die Radwegebenutzungspflicht an dieser Stelle verfügt. Damit wollte die Behörde verhindern, dass Radler beim Überholen der Straßenbahn in den Gegenverkehr geraten. Das hätte man zunächst mit milderen Mitteln versuchen sollen, meinten nun die Richter, zum Beispiel mit einer durchgezogenen Linie.

Unklar ist, ob die zuständige Behörde Berufung beantragt.