In Johannisthal wurde am Sonntag eine Radfahrerin von einem BVG-Bus erfasst und tötlich verletzt.
Foto: Morris Pudwell

Berlin-JohannisthalEs ist der zweite tote Radfahrer in diesem Jahr: In Johannisthal wurde am Sonntag eine Radfahrerin von einem BVG-Bus erfasst und getötet. Bei ihr handelt es sich um eine 35-Jährige, wie die Polizei auf Anfrage sagte. Der genaue Unfallhergang wird derzeit noch ermittelt, alles andere sei "pure Spekulation", hieß es bei der Polizei. Damit ist auch die Schuldfrage noch nicht geklärt.

In jedem Fall handelt es sich bei dem Bus um ein modernes Fahrzeug vom Typ Citaro, wie die BVG der Berliner Zeitung bestätigte. Nach Angaben des Herstellers Mercedes-Benz verfügen diese Busse serienmässig über den Abbiegeassistenten Sideguard. Die Funktionsweise dieses mehrstufigen Sicherheitssystems funktioniert nach Firmenangaben so: 

"In einer ersten Stufe informiert es den Fahrer, in einer zweiten Stufe gibt es zusätzlich eine Warnung aus. Befindet sich ein bewegliches Objekt in der seitlichen Überwachungszone, leuchtet in der A-Säule auf der Beifahrerseite eine LED-Leuchte in Dreiecksform gelb auf. Sie lenkt die Aufmerksamkeit intuitiv auf die Situation neben dem Fahrzeug. Zusätzlich erscheint ein Warnhinweis im Zentraldisplay. Falls der Fahrer eine Aktion einleitet oder fortsetzt, die zu einer Kollision führen kann, erfolgt eine zusätzliche Warnung: Die LED-Leuchte blinkt rot mit hoher Leuchtkraft und danach permanent. Hinzu kommt eine Vibrationswarnung am Fahrersitz.

Darüber hinaus warnt der Sideguard Assist vor stationären Hindernissen in der Abbiegekurve des Omnibusses und kann zusätzlich die Aufgabe eines Spurwechselassistenten übernehmen; dabei arbeitet er mit der gleichen Warnkaskade". 

Mahnwache für Montagnachmittag geplant

An diesem  Montag soll es am Unfallort um 17.30 Uhr eine Mahnwache geben. „Wir brauchen sichere Straßen und Kreuzungen“, sagte Ragnhild Sørensen vom Verein Changing Cities mit. Der ADFC Berlin wird an der Unfallstelle ein weißes Geisterrad aufstellen. Nach der Mahnwache ist eine Fahrraddemo zum Bundesverkehrsministerium geplant.

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Rückblick: Die Anrufe gingen am Sonntag-Mittag gegen 12.20 Uhr bei der Feuerwehr ein. Am Groß-Berliner Damm, Ecke Pilotenstraße in Johannisthal hatte ein rechts abbiegender Bus der BVG-Linie 265 eine Radfahrerin erfasst, die auf dem Radweg des Groß-Berliner Damms fuhr und geradeaus in Richtung Segelfliegerdamm weiterfahren wollte. Eine Ampelregelung gibt es an der Kreuzung nicht.

Der Fahrer bemerkte den Unfall offenbar zunächst gar nicht. Zeugen zufolge fuhr er noch mehrere Meter in der Pilotenstraße weiter und schleifte die Radfahrerin mit, bevor er anhielt.

Ein Bus der BVG erfasste den Radfahrer offenbar beim Abbiegen.
Foto: Morris Pudwell

Der Bus musste angehoben werden, um die Radfahrerin zu befreien. Um nicht auf den Kran und den Rüstwagen der Feuerwehr zu warten, die nach einer halben Stunde eintrafen,  behalfen sich die Feuerwehrleute mit Wagenhebern, um den Bus anzuheben und die Verunglückte zu befreien. Doch die Retter konnten nur noch den Tod der Frau feststellen.  

Busfahrer erleidet Schock

An dem Einsatz waren nach Angaben eines Feuerwehrsprechers 40 Einsatzkräfte beteiligt. Der Busfahrer und ein Passant, die einen Schock erlitten, seien ins Krankenhaus gebracht worden. Während der Unfallaufnahme musste der Groß-Berliner Damm in Richtung Segelfliegerdamm gesperrt bleiben.

Bereits am 8. Januar war in Berlin eine 69-jährige Radfahrerin ums Leben gekommen. Sie war am Kottbusser Tor in Kreuzberg von einem rechtsabbiegenden Lkw erfasst worden. Der Unfall in Kreuzberg löste erneut eine Diskussion um die Sicherheit von Radfahrern in Berlin aus. Fahrrad- und Fußgängerverbände forderten einen schnelleren Umbau der Stadt zugunsten der Radfahrer und Fußgänger. Im vergangenen Jahr hatte die Polizei auf Berliner Straßen mehr als 8.000 Unfälle mit Radfahrern registriert. Dabei starben sechs Radler. Im Jahr zuvor zählte die Polizei sogar elf getötete Radfahrer. In jenem Jahr gab es insgesamt 7 971 Unfälle mit Radfahrern.