Berlin - Mehr Platz für Radfahrer, weniger Platz für Autos und Lastwagen: Dieses Motto soll auf der Frankfurter Allee in Friedrichshain Wirklichkeit werden. Auf der stadtauswärts führenden Fahrbahn soll den Kraftfahrzeugen eine Fahrspur weggenommen werden, um einen geschützten Radfahrstreifen anzulegen. Noch genießen die Autofahrer eine Schonfrist, weil sich die Vorbereitungen in die Länge ziehen. Doch nun teilte das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg mit, dass die Radspur noch in diesem Jahr gebaut werden soll. „Die Umsetzung der Maßnahme soll im Herbst erfolgen“, so Sprecherin Sara Lühmann.

Sven Kohlmeier, SPD-Abgeordneter für Kaulsdorf und Hellersdorf, hält wenig von der geplanten Umgestaltung der Frankfurter Allee. Dieser Teil der Bundesstraße B1/B5 sei eine wichtige Verbindung in den Osten Berlins, warnte er. „Ich habe die Sorge, dass der Autoverkehr dort zum Erliegen kommt. Schon jetzt ist die Strecke in die Außenbezirke häufig zugestaut. Aus meiner Sicht geht es hier um Klientelpolitik für Grüne in Friedrichshain-Kreuzberg.“

Frankfurter Allee: Für Radfahrer gefährlich

Dabei profitieren gerade Radfahrer aus Stadtvierteln, die weiter vom Zentrum entfernt sind, entgegnet die Radlobby. Die schnurgerade Frankfurter Allee wäre ideal, um zügig längere Strecken zurückzulegen. Doch derzeit ist eine Radfahrt in Richtung Lichtenberg alles andere als angenehm – und sogar gefährlich.

Fest steht: Auf der Frankfurter Allee brauchen auch Radler gute Nerven. Der Radweg, der in Richtung Osten auf dem Gehweg verläuft, ist meist 1,40 Meter, stellenweise nicht mal einen Meter breit. Zuweilen verläuft er im Zickzack, und oft kommen Fußgänger den Radfahrern in die Quere – auch deshalb, weil U-Bahn-Ausgänge auf die Radspur münden.

Frankfurter Allee: Hier sollen Radfahrer in Zukunft fahren

Um die Horrorstrecke zu entschärfen, kündigte der Senat 2016, noch unter Rot-Schwarz, ein Projekt an: In Richtung Osten soll der Radverkehr auf die Fahrbahn verlagert werden. Geplant ist das von der Niederbarnimstraße an. An der Kreuzung Jessnerstraße kehren die Radfahrer auf den ursprünglichen Weg zurück. Heute gibt es in der Frankfurter Allee stadtauswärts für den rollenden Autoverkehr drei Fahrspuren, die mit jeweils knapp 2,70 Meter Breite verhältnismäßig schmal ausfallen – wobei der rechte Streifen häufig von haltenden oder parkenden Fahrzeugen versperrt wird.

Geplant ist nun, dass es für Autos nur noch zwei Fahrstreifen gibt, die aber mit jeweils rund drei Metern breiter sein werden als heute. Rechts davon wird Platz für den Radverkehr reserviert. Bisherigen Planungen zufolge fällt der Radfahrstreifen etwas breiter als zwei Meter aus, ein Abstandsbereich kommt hinzu. Auch an den Lieferverkehr wurde gedacht, Haltezonen sind vorgesehen. Klar ist aber auch: Feste Poller und kleine flexible Baken sollen große Teile des Radstreifens davor bewahren, dass dort Autos halten oder parken.

Umgestaltung der Frankfurter Allee: Auch Fußgänger profitieren

Ursprünglich wollte der Bezirk die Neuaufteilung des Straßenraums bereits 2018 in Angriff nehmen, doch das Projekt erwies sich als komplex.

Zuletzt ging es vor allem ums Geld. „Da dem Bezirk keine eigenen Mittel für geplante Radverkehrsanlage zur Verfügung stehen, wurden diese bei der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz beantragt und in der Zwischenzeit auch bewilligt“, so Bezirkssprecherin Lühmann. Anfang 2019 war eine Finanzierungszusage noch nicht möglich, weil noch geplant wurde. „Auch finden im betroffenen Abschnitt 2019 und 2020 Baumaßnahmen von Netzbetreibern statt“, so Lühmann weiter.

Die Arbeiten mussten erst abgestimmt werden, um sicherzustellen, dass der Radfahrstreifen in diesem Jahr gebaut und das Senatsgeld ausgegeben werden kann. Einen genauen Termin gebe es noch nicht – doch im Herbst 2019 gehe es los, bekräftigte sie.

Das Projekt zeigt, wie schwierig der Umbau der Berliner Straßen ist, den Radfahrer und andere Verfechter einer umweltfreundlichen Mobilität fordern. Es zeigt auch, wie schwer es ist, Autofahrern gute Alternativen zur Verfügung zu stellen – die Züge der U-Bahn-Linie U5, die unter der Frankfurter Allee verkehren, sind heute schon gut ausgelastet. Andererseits gehört die Frankfurter Allee zu den Straßen mit der schlechtesten Luft in Berlin. Zudem könnten von dem Umbau auch die Fußgänger profitieren: Ihr Gehweg wird breiter.

Die Holzmarktstraße in Mitte hat bereits auf beiden Seiten geschützte Radstreifen bekommen. Die Hasenheide in Kreuzberg wurde auf einer Seite mit so einer Fahrspur ausgestattet. An diesem Mittwoch um 13 Uhr eröffnet Neuköllns Bürgermeister Martin Hikel (SPD) den ersten geschützten Radstreifen in seinem Bezirk – 300 Meter in der Karl-Marx-Straße.