Stölpchensee, Pohlesee, Wannsee: Wasser hat Berlin ja bekanntlich genug – und was liegt da näher, als ein Badeausflug per Rad für die ganze Familie. Auch wenn das Wetter derzeit nicht gerade zum Schwimmen einlädt – der Sommer hat ja gerade erst begonnen.

Vom S-Bahnhof Griebnitzsee zum Pohlesee

Meine Söhne und ich starten diesmal am S-Bahnhof Griebnitzsee gen Osten zu einer etwa 20 Kilometer langen Runde. Zunächst biegen wir gleich mal zum waldbestandenen Ufer des Pohlesees und des Kleinen Wannsees ab, wo sich eine Badebucht an die nächste reiht. Während meine Söhne auf die ins Wasser ragenden Trauerweiden klettern, genieße ich den Blick auf die Villen am gegenüberliegenden Ufer. Entspannend ist es hier allemal. Nach einem ausgiebigen Bad steigen wir wieder auf die Räder, um – vorbei an Ruderclubs und Villen – die Bismarckstraße entlang - zu radeln.

An ihrem Ende befindet sich die Gedenkstätte für den Dichter Heinrich von Kleist. 1811 schied dieser 34-jährig, mittellos und von seinen Zeitgenossen unverstanden aus dem Leben, gemeinsam mit seiner todkranken Seelenverwandten Henriette Vogel. Die beiden wurden am Ort ihres Todes begraben: Ein kirchlicher Friedhof nahm damals keine Selbstmörder auf.

Vom Haus der Wannsee-Konferenz nach Heckeshorn

Via Königstraße erreichen wir die Straße Am großen Wannsee mit den Vereinshäusern der großen Segelclubs. Plötzlich beginnt die Kette meines Sohnes zu hängen, sein Hinterrad gefährlich zu eiern und am Rahmen zu schaben. Eine Schraube muss sich gelockert haben, doch in unseren mit Essen, Trinken und Badehandtüchern vollgepackten Taschen findet sich kein Werkzeug. Wie gut, dass Segler oft auch passionierte Bastler sind: Ein hilfsbereiter Jollenbesitzer aus dem Seglerhaus am Wannsee leiht dem Havaristen einen passenden Maulschlüssel.

Zügig geht es danach weiter zum Haus der Wannsee-Konferenz, wo sich im Januar 1942 hochrangige Vertreter von NS-Regierung und SS-Behörden trafen, um die Vernichtung der Juden zu organisieren.

Nach dem kurzen Ausflug in die Geschichte ist Zeit für eine Rast. Wer kein Picknick dabei hat, findet viele gastronomische Angebote: Das Haus Sanssouci bietet gehobene Küche mit Blick auf einen Springbrunnen im Garten, dem Wannsee näher ist das Bootshaus Bolle oder das Restaurant Seehase.

Von Badestelle zu Badestelle

Am Seeufer von Heckeshorn erwartet den Radler dann eine Kopie des Flensburger Löwen, auch Wannseelöwen genannt. Das Original-Monument ließen die Dänen anlässlich der 1850 gewonnenen Schlacht bei Idstedt anfertigen, es steht heute in Flensburg. Von Heckeshorn aus genießen wir einen herrlichen Blick über den Wannsee auf das gegenüberliegende Strandbad.

Dann geht es weiter von Badestelle zu Badestelle, die von breiten Schilfgürteln unterbrochen werden. Wer lieber unter den Augen eines Rettungsschwimmers ins Wasser gehen möchte, findet auf der Strecke vier Stationen der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft. Die im „Jagen 95“ gelegene Station „Alter Hof“ punktet mit Wildgänsen am Ufer und Baumstämmen, die zu Bänken und Tischen verarbeitet wurden. Die Rettungsstation im „Jagen 97“ wiederum bietet ihren Besuchern einen pragmatischen, waldgrünen Toilettenwagen.

Vogelschreie dringen über das Wasser – so markant können sich nur Pfauen, die Namensgeber der nahe gelegenen Pfaueninsel, bemerkbar machen. Mit der Fähre „Luise“ könnte man zu ihnen übersetzen, wir aber folgen hinter dem Wirtshaus zur Pfaueninsel dem Berliner Mauerweg.

Von der Heilandskirche zum Glienicker Schloss

Am gegenüberliegendem Ufer prunkt die Schinkelsche Heilandskirche, die unter großen Anstrengungen einiger West-Berliner und auf politische Initiative von Richard von Weizsäcker vor dem Verfall bewahrt werden konnte. Etliche Bänke am Krughorn laden heute Passanten dazu ein, den Blick auf dieses Kleinod zu genießen.

Weiter führt der Mauerweg in Richtung Westen bis zum Glienicker Schloss, das wir nur halb umrunden. Hinter der Bushaltestelle geht es nach rechts in Richtung Klein-Glienicke. Nun wieder rechts in die Wilhelm-Leuschner-Straße, dann links in die Waldmüllerstraße. Über die Lankestraße passieren wir den Zufluss zum Griebnitzsee – hin zu dessen südlichem Ufer.

Voller Freude radeln wir einige Hundert Meter bergab mit Seeblick, dann versperrt ein Bauzaun die Weiterfahrt: Die Besitzer der Villen verbieten seit Jahren der Öffentlichkeit, die Uferwege zu betreten. Die Stadt Potsdam verspricht auf einem Schild, „alle ihre Möglichkeiten nutzen“ zu wollen, um dies zu ändern – leider erkennen wir das Schild erst beim Zurückschieben.

Auf der Karl-Marx-Straße und Rudolf-Breitscheid-Straße fahren wir nun zu unserem Ausgangspunkt zurück – rechter Hand die Villen mit den Transparenten, die ein „Freies Ufer!“ fordern.