Der neue Verkehrsstaatssekretär Jens-Holger Kirchner will das Dauerproblem Gleimtunnel im kommenden Jahr ein für allemal lösen. Sein Ziel: „Die Gleimstraße wird eine Fahrradstraße“, sagte der Grünen-Politiker am Dienstag der Berliner Zeitung. Zugleich soll auch die Stargarder Straße zur Fahrradstraße erklärt werden.

Damit entsteht parallel  zur S-Bahn-Trasse eine neue Fahrradverbindung, die von der Prenzlauer Allee bis nach Gesundbrunnen führt.  „Wir werden die Gleimstraße aus dem Netz der Hauptverkehrsstraßen herausnehmen. Mit der Fahrradstraße reagieren wir auch auf den steigenden Radverkehr auf dieser Strecke“, so Kirchner.  Zudem gebe es den Vorteil, dass die neue Route an die bestehende Fahrradstraße in der Schwedter Straße anknüpft.

Solche Straßen sind grundsätzlich dem Radverkehr vorbehalten. Autos dürfen dort nur fahren, wenn der motorisierte Verkehr durch zusätzliche Verkehrsschilder, zum Beispiel „Anlieger frei“, erlaubt wird. Dann darf  höchstens mit Tempo 30 gefahren werden.

Krisentreffen am Tunnel

Seinen Vorschlag will Kirchner den beteiligten Bezirken Pankow und Mitte am 3. Januar bei einem Vor-Ort-Termin unterbreiten und möglichst auch absegnen lassen. Dieses Treffen, an dem auch die beiden Verkehrsbehörden der Bezirke sowie die Verkehrslenkung Berlin teilnehmen werden, hatte ursprünglich allerdings einen anderen Anlass. Kirchner wollte alle Verantwortlichen zusammenholen, weil der Gleimtunnel nach dem Unwetter am 27. Juli noch immer gesperrt ist. Damals hatte die Kraft der Wassermassen Autos ineinander und übereinander geschoben. Der Tunnel musste gesperrt werden, weil eine Unterspülung der Straße vermutet wurde.

Gutachter haben jetzt ihre Untersuchungen abgeschlossen. Ihr Urteil: Der 110 Jahre alte Tunnel ist auf seiner gesamten Länge standsicher. Während die Untersuchungen am Tunnel liefen, wurde die Zeit genutzt, um dort schon lange geplante Arbeiten vorzuziehen. So wurden in dem 130 Meter langen Bauwerk zwei neue Radwege angelegt und  asphaltiert.  Auch die Straße unter den acht früheren Eisenbahnbrücken wurde teilweise neu gepflastert.   An der westlichen Tunnelausfahrt entstand ein neuer Kreisverkehr. Der ist erforderlich, damit die Zufahrt zu einem neuen Wohngebiet der Groth-Gruppe neben dem Gleimtunnel einfacher wird. Diese Umgestaltung  mit Kreisverkehr und Radwegen im Tunnel hatten Groth und das Land Berlin schon vor Jahren in einem städtebaulichen Vertrag geregelt. Kurz vor Weihnachten, am 23. Dezember, waren alle Arbeiten abgeschlossen. Doch der Tunnel konnte nicht wie geplant freigegeben werden, weil eine förmliche Anordnung durch die Verkehrslenkung Berlin fehlte. Die Behörde wurde laut Kirchner zu spät vom Bezirk Mitte informiert. 

„Wir machen  jetzt den Ortstermin,  bevor wir wochenlang Mails hin- und herschreiben“, sagt der Staatssekretär, bis Anfang Dezember noch Baustadtrat in Pankow.  Dabei sollen alle Fragen geklärt werden, zum Beispiel die Ausweitung der Tempo-30-Zone von Prenzlauer Berg nach Mitte. Ebenso, ob und wie künftig im Gleimtunnel geparkt werden soll.  „Diese Stellplätze sind wichtig, außerdem wird dann im Tunnel nicht so gerast“, sagt Kirchner. Sein  Ziel ist es, den Gleimtunnel so schnell wie möglich wiederzueröffnen, Einen Termin nannte er nicht.

Den kann auch die zuständige Stadträtin in Mitte, Sabine Weißler (Grüne),  nicht sagen. „Die Bauarbeiten werden am 3. Januar nicht abgenommen, weil es noch erheblichen Gesprächsbedarf gibt“, sagt sie.  „Die Beleuchtung   im   Tunnel ist zu finster. Auch die Situation  für die Radfahrer ist derzeit nicht optimal gelöst“, so Weißler. Auch sie habe die Hoffnung, dass es am 3. Januar zu verbindlichen Verabredungen kommt, damit der Tunnel wieder freigegeben werden kann.