POTSDAM - Schön sind sie alle: Bayern bietet den Radlern tolle Täler, Mecklenburg-Vorpommern hat Seen und das Meer – aber in Brandenburg gibt es die meisten Qualitätsradwege. So kann der aktuelle Stand im Wettstreit der drei beliebtesten Radfahrerregionen umschrieben werden. Bereits im Frühjahr hatte der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) einen Brandenburger Radweg mit drei von fünf möglichen Sternen ausgezeichnet. Nun sind 13 weitere zertifizierte Qualitätsradwege dazugekommen – von denen acht sogar mit vier Sternen dekoriert wurden. „Bundesweit gibt es 31 zertifizierte Radwege“, sagt Wolfgang Richter vom ADFC, „dass 14 davon in Brandenburg sind, ist beachtlich.“

TÜV-Siegel mit Sternchen

Die Überprüfung und Kategorisierung der Strecken durch die obersten Kämpfer für gute Radwege ist so etwas wie ein TÜV-Siegel mit zusätzlichen Sternchen. „Vor allem ist es ein Marketing-Instrument, mit dem die Betreiber der Strecken, also die örtlichen Tourismusverbände, für die Routen werben können“, sagt Richter. Wie viel die Sterne wert sind, zeigt sich daran, dass sich auch die Österreicher sechs Strecken von den Deutschen bewerten ließen, um besser im Nachbarland um Touristen werben zu können.

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Radwanderer sind gern gesehen. „Radfahren macht Hunger, deshalb gibt jemand, der durchs Land radelt, mehr Geld aus als ein Berliner, der kurz mit dem Auto an die Oder fährt und nur sein Stullenpaket auspackt“, sagt Gunter Frisch, Landtagspräsident und Vorsitzender des Landestourismusverbandes. „Radtourismus ist ein anerkannter Wirtschaftsfaktor und macht in Brandenburg 25 Prozent des gesamten touristischen Umsatzes aus.“ Also immerhin fast 850 Millionen Euro. Frisch betont, dass sich vieles verbessert hat: Denn es geht nicht nur um die Qualität der Wege, sondern auch um das Umfeld. „Früher gab es bei uns so genannte No-Go-Areas wegen der Neonazis. Aber inzwischen haben viele lokale Initiativen den Kampf gegen die Rechtsextremisten aufgenommen und so den Ruf des Landes deutlich verbessert.“

Das Prinzip für die Sterne-Vergabe ist recht einfach. Bundesweit gibt es etwa 250 überregionale Routen. Als erstes bewarb sich 2005 der Fürst-Pückler-Weg in Südbrandenburg um eine Bewertung. Solch eine Einstufung kostet 3 000 Euro. Dann darf drei Jahre lang mit den Sternen geworben werden, bis eine Neuüberprüfung ansteht. „Bislang hat nur ein Routenbetreiber nicht nachzertifizieren lassen“, sagt ADFC-Sprecher Richter. „Prämierte Wege sprechen sich durch Mund-zu-Mund-Propaganda schnell herum.“

Dass sich die Überprüfung lohnt, betont Dieter Hütte von der Tourismus Marketing GmbH (TMB). Vor fünf Jahren lag Brandenburg noch auf Platz acht in der Rangliste der beliebtesten Radfahrländer. Weit hinter Mecklenburg-Vorpommern und Bayern. Dann wurden die ersten neun Wege erstmals zertifiziert. „Inzwischen haben wir uns auf Platz 3 vorgearbeitet“, sagt er.

Dass Brandenburg so gut abschneidet, hat zwei Gründe: Erstens die Gnade des späten Baus der Wege –fast alle entstanden nach 1990. So wurden wichtige Fehler vermieden, die in der alten Bundesrepublik gemacht wurden. Dort führen Radwege oft über weite Strecken durch Ballungsräume, oder sie führen zwar durch liebliche Landschaften wie beispielsweise in Bayern entlang des Flüsschens Altmühl, aber auch immer parallel zu Straßen und Zuglinien. In Brandenburg führen die Routen meist durch stille Natur.

Der zweite wichtige Grund für den Brandenburger Erfolg ist, dass sich die Betreiber der Radstrecken diesmal nicht wie in anderen Regionen üblich selbst beworben haben, sondern dass dies das Netzwerk „Aktiv in der Natur“ übernommen hat. „Es ist bundesweit einmalig, dass ein solches Netzwerk den Naturtourismus fördert“, sagt Richter.

Das größte Problem an vielen Brandenburger Strecken ist, dass ein ADFC-Ideal nicht erfüllt werden kann: Alle 20 Kilometer sollte es möglichst das gesamte Übernachtungsangebot geben – vom Campingplatz bis zum Fünf-Sterne-Hotel. Nun will das Netzwerk dafür werben, dass an den Strecken mehr kleine Wochenendcafés öffnen.

Brandenburg will weiter Sterne sammeln und bis nächstes Jahr noch vier Wege zertifizieren lassen.