Da bin ich: Tesla-Chef Elon Musk am Donnerstag bei seinem ersten Besuch auf der Baustelle in Grünheide.
Foto: afp/Odd Andersen

BerlinSo richtig wusste am Donnerstag niemand Bescheid: Die Nachrichtenagenturen meldeten am Morgen in einem Nebensatz, dass am Freitag in Grünheide ein Richtfest stattfinden solle. Richtfeste sind normalerweise keine große Sache, in diesem Fall aber doch. Denn es handelt sich um das Richtfest auf dem Rohbau der Lackiererei des US-Autobauers Tesla. Dahinter steht Elon Musk, der Gründer des Konzerns, der weltweit erfolgreichste Hersteller von Elektroautos, der Liebling der Börsen, der Visionär, der aber vor Ort im Landkreis Oder-Spree von Umweltschützern auch heftig kritisiert wird.

Offiziell bestätigt wurde der Termin nicht. In den Potsdamer Ministerien war nur zu hören, dass man von dem Termin in der Presse gelesen habe, dass aber noch keine Einladung eingegangen sei. Dann, nach Stunden, kam am Nachmittag eine Antwort der Presseabteilung von Tesla: „Es wird am Freitag kein Richtfest geben.“

Elon Musk auf der Baustelle mit Fans und Fotografen.
Foto: dpa/Patrick Pleul

Aber Musk war trotzdem vor Ort. Gut gelaunt, im dunklen Anzug, weißen Hemd, aber ohne Krawatte besuchte er bei strahlendem Sonnenschein die Baustelle. Es war sein erster offizieller Besuch. Nach Angaben des RBB fuhr er mit einem Wagen des eigenen Konzerns vor und wurde von Bodyguards begleitet. Seine ersten Worte waren: „Deutschland rocks.“

Tesla plant die größte Investition in Ostdeutschland seit Jahrzehnten. Die Rede ist von einer Investitionssumme von bis zu vier Milliarden Euro sowie von bis zu 12.000 Jobs. Der US-Konzern will in seiner ersten europäischen Fabrik ab Sommer nächsten Jahres dort 500.000 Fahrzeuge pro Jahr bauen sowie Batterien. Doch Umweltschützer protestieren seit Monaten, weil sich das Tesla-Gelände zum Teil in einem Wasserschutzgebietes befindet, so dass aus ihrer Sicht der gesamte Grundwasserhaushalt zwischen Berlin und Frankfurt (Oder) gefährdet sei.

Dem RBB sagte Musk auf der Baustelle: „Wir wollen einen großartigen Platz zum Arbeiten schaffen.“ Er pries seine künftige Fabrik zum einen als „bedeutendste Autofabrik der Welt“, zum anderen als „umweltfreundlichste Fabrik der Welt“. Zur Wasserversorgung sagte er, die damit verbundenen Probleme seien lösbar. Im Vergleich zu Kalifornien sei Brandenburg schließlich keine trockene Gegend. 

Schließlich berichten Leute vor Ort, es habe doch ein kleines internes Richtfest ohne Politiker und ohne weitere Prominenz gegeben.

Sein Vorgehen mit ständigen Überraschungen ist nicht ungewöhnlich. Elon Musk mag es eher geheimnisvoll und spielt auch mit seiner Rolle als Macher. Der Wert von Tesla wird an der Börse auf 300 Milliarden Euro geschätzt. Volkswagen kommt auf einen Börsenwert von 70 Milliarden Euro.

Allerdings ist dieses Spiel mit Überraschungen hierzulande gewöhnungsbedürftig. So erklärte am Donnerstag der Fraktionsvorsitzende der Linken im Potsdamer Landtag, Sebastian Walter: „Welcome, Mr. Musk! Schön, dass Sie hier gelandet sind. Sie kommen zu Ihrem Neubau gejettet, der immer noch keine Hauptgenehmigung hat. Das ist schon dreist.“ Dann stellt Walter einige Fragen, die nicht nur nach Ansicht der Linken drängen, weil in zehn Monaten die ersten Autos vom Band rollen sollen. Er fragt, wann welche Ausbaustufen geplant sind, wie das Schichtsystem aussehen soll und wie die Leute mit dem Nahverkehr zur Arbeit kommen sollen.

All diese Fragen sehen auch andere noch nicht beantwortet. Walter sagte mit bissigem Unterton: „Als Visionär haben Sie bestimmt auch schon darüber nachgedacht.“ Sollte Musk Hilfe benötigen, könnte für ihn schnell eine Sondersitzung des Wirtschaftsausschusses einberufen werden.

Die Kritik an der kargen Kommunikation des Konzerns kommt von vielen Seiten. Immer wieder heißt es: Was genau geplant ist, sei nur aus dem Bauantrag zu erahnen.

Blick auf die Baustelle der Tesla Gigafactory in Grünheide.
Foto: dpa/Patrick Pleul

Die Entscheidung für den Standort sorgte weltweit für Schlagzeilen, hatte Brandenburg doch zum Beispiel Großbritannien aus dem Rennen geschlagen. Musk baut auch nicht in Berlin, sondern nur in der Nähe der coolen deutschen Hauptstadt. Die Wahl des Standorts hatte Musk übrigens auch ganz nebenbei verkündet – im November 2019 bei der Gala zur Verleihung des Goldenen Lenkrads.

Seit Dienstag ist der Milliardär Musk wieder mal in Deutschland, er landete mit dem Privatjet in Schönefeld, traf sich mit dem Bundeswirtschaftsminister und der Unions-Fraktion. Alle Termine waren der Öffentlichkeit vorher nicht bekannt. Außerdem traf er Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke und Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (beide SPD). Hinterher hieß es: Die Eröffnung der Tesla-Fabrik ist weiterhin für den Sommer 2021 geplant.

Woidke sagte: „Es war ein sehr angenehmes und konzentriertes Gespräch. Elon Musk ist mit allen Details der Gigafabrik Grünheide befasst.“ Es gebe tägliche Telefonschalten im Unternehmen, bei denen Musk über den aktuellen Stand informiert werde. Die geplante Autofabrik zeige bereits jetzt eine Sogwirkung. Gemeint ist, dass sich andere Firmen im Umfeld ansiedeln wollen.

Bislang baut Musk auf eigene Kosten, denn die umweltrechtliche Genehmigung fehlt noch. Bis Mittwoch konnten Einwendungen eingereicht werden. Das tat am Stichtag die Ökologisch Demokratische Partei (ÖDP), die vor allem kritisiert, dass die Unterlagen zum Umweltgutachten unvollständig seien, moniert wird auch die Intransparenz der Unterlagen.

Am 23. September ist eine Anhörung in Erkner geplant. Danach könnte das Landesamt für Umwelt eine Entscheidung bekannt geben. (mit dpa)