Die Kneipe soll am Freitagmorgen geräumt werden. Linke und linksextreme Gruppen hatten Proteste und Blockaden angekündigt. Es kam zu mehren Festnahmen.
Foto: Berliner Zeitung/Markus Wächter

BerlinBei Protesten gegen die bevorstehende Zwangsräumung der Kiezkneipe „Syndikat“ in Berlin-Neukölln hat die Polizei in der Nacht zum Freitag eine Zahl von Personen im „zweistelligen Bereich“ vorläufig festgenommen. Das sagte ein Polizeisprecher am Morgen und nannte „um die 40“ als ungefähre Größenordnung. Genauere Zahlen gebe es noch nicht. Es habe „Inbrandsetzungen“ und Sachbeschädigungen gegeben. Er sprach von einer „emotionalisierten“ Stimmung. Teilweise seien Menschen vermummt gewesen.

Zahlreiche Polizisten waren im Einsatz. Auch ein Hubschrauber kreiste zeitweise über dem Ort. Videos, die in den sozialen Netzwerken verbreitet wurden, zeigten, wie sich Demonstranten und Polizisten gegenüberstanden. Darauf waren auch Rangeleien und einzelne abgeschossene Feuerwerkskörper zu sehen.

Die Kiezkneipe Syndikat im Neuköllner Schillerkiez soll am Freitagmorgen geräumt werden. Linke und linksextreme Gruppen kündigten Proteste bis in die Nacht an. Die Polizei stellte bereits am Donnerstagmittag Absperrgitter auf, um Sitzblockaden vor dem Lokal zu verhindern. Die Kneipe hat seit längerem keinen Mietvertrag mehr, die Betreiber wollen aber nicht ausziehen. Sie sehen sich als Leuchtturm gegen die Verdrängung in ihrem Kiez.

Hunderte Menschen demonstrieren gegen die Kiezkneipe Syndikat in Berlin-Neukölln.
Foto: Eric Richard

Am Sonnabend hatten linksextreme Randalierer bei einer Demonstration gegen die geplante Räumung Polizisten mit Flaschen- und Steinwürfen angegriffen. Mehrere Polizisten wurden verletzt.

Der neue Eigentümer des Hauses, eine Luxemburger Immobiliengesellschaft namens Firman Properties, die zu einem Geflecht aus Briefkastenfirmen gehören soll, hat den  Betreibern des Syndikats in der Weisestraße den Mietvertrag gekündigt. Diese weigern sich, auszuziehen.

Das Berliner Landgericht gab im vergangenen November einer Räumungsklage der Eigentümer statt und setzte den Räumungstermin für diesen Freitag um 9 Uhr an. Für den Donnerstagabend ist eine Demonstration durch den Kiez angekündigt. Unterstützer der Kneipe wollen eine „Lange Nacht der Weisestraße“ veranstalten. Die Polizei hat die umliegenden Straßen jedoch gesperrt. Nur Anwohner werden durchgelassen. Man werde am Freitagvormittag den Gerichtsvollzieher, der im Auftrag des Eigentümers unterwegs sei, unterstützen, sagte eine Polizeisprecherin. Am Donnerstagabend demonstrieren mehrere Hundert Menschen gegen die Räumung. Das Ziel ist, den Gerichtsvollzieher am Freitagmorgen nicht durchzulassen.

Das Verwaltungsgericht hatte am Nachmittag einen Eilantrag der Unterstützer gegen die Auflagen der Versammlungsbehörde der Polizei abgewiesen. Diese hatte die „Lange Nacht der Weisestraße“ direkt vor der Kneipe untersagt, so dass die Demonstranten ausweihen mussten. (mit dpa)