Campierende Obdachlose aus den Parks der Stadt zu bekommen, erweist sich als schwierig – bisher blieben alle Versuche nicht viel mehr als Stückwerk. Speziell für den Tiergarten hatte der Senat eine Task Force gegründet, weil der Bezirk Mitte dort mit aggressiven Wohnungslosen überfordert sei.

Caritas-Direktorin Ulrike Kostka sprach von „Aktionismus“. Die dort verdrängten Menschen tauchen woanders in der Stadt auf, sagt Lichtenbergs Sozialstadträtin Birgit Monteiro (SPD). Nur eine Berlin-weite Strategie könne das Problem lösen.

Am Donnerstag räumten Polizei, Ordnungsamt und Stadtreinigung den Hansaplatz in Tiergarten – am Wochenende entdeckte Monteiro ein Zeltlager im Volkspark Friedrichshain. Auf ihrer Facebook-Seite veröffentlichte die Kommunalpolitikerin ein Foto davon und kommentierte ironisch: „Senatsstrategie für den Tiergarten außerordentlich erfolgreich. Obdachlose campen jetzt im Volkspark Friedrichshain.“

Monteiro will beobachtet haben, dass immer mehr Wohnungslose ihre Nachtlager in den Grünanlagen in Fennpfuhl, am Bahnhof Lichtenberg und rund um den U- und S-Bahnhof Frankfurter Allee aufschlagen. Besonders betroffen ist die Innenstadt. Sie vermutet, dass die Zelte vorher in einem anderen Bezirk standen.

„Verdrängung ist keine Lösung. Die Last muss gleichmäßig verteilt werden“, sagte Monteiro der Berliner Zeitung. Sie fordert, dass die Bezirke mit Innenverwaltung, Ordnungsämtern, Wohlfahrtsverbänden und BVG ein Konzept erarbeiten. So wird derzeit in Kooperation mit der Katholischen Hochschule für Sozialwesen die Situation von Wohnungs- und Obdachlosen in Lichtenberg analysiert.

Das Ergebnis soll helfen, Menschen von der Straße zu bekommen. Nach Angaben der Stadträtin muss eine neue Form der Unterbringung geschaffen werden. „In den Einrichtungen muss es eine Beratungsstelle geben, und eine soziale Betreuung.“

Das Hauptproblem sei, dass sich viele nicht über das Ausmaß des Elends klar seien. In Lichtenberg sind bereits vor Wintereinbruch alle Einrichtungen für Wohnungslose belegt. Gleiches gilt für die Noteinrichtungen der Kältehilfe.

Auch in Neukölln ist die Situation dramatisch. Dort sind derzeit knapp 4000 Menschen in Einrichtungen der Sozialen Wohnhilfe untergebracht, darunter etwa 1300 Kinder. „Der Zustand ist untragbar“, sagt Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD).

In einigen Wochen, zu Beginn des Winters, sollen die Plätze der Kältehilfe in ganz Berlin von 500 auf 1000 verdoppelt werden. Laut Giffey wird das nicht reichen. „Da muss der Senat ran! Es ist das Wichtigste, dass diese Plätze weiter ausgebaut werden.“

Tatsächlich gebe es immer wieder bürokratische Hürden, die zu Verzögerungen führen, so Giffey. So ist auf dem alten Güterbahnhof am S-Bahnhof Neukölln eine Traglufthalle für die Kältehilfe geplant. Technische Schwierigkeiten sorgten dafür, dass sie bisher noch nicht errichtet wurde. „Das ist kein Einzelfall. Sowas bremst aus“, sagte Giffey und appelliert an „eine schnellere und unbürokratische Umsetzung einer landesweiten Strategie.“

Gerade vor dem Hintergrund, dass organisierte Bettlerbanden aus Rumänien und obdachlose Schwarzarbeiter aus Osteuropa in der Stadt campieren, sei „eine Mischung aus Hilfsabgeboten und Ordnungsrecht“ erforderlich, so Giffey. Der Bezirk hatte erst Anfang des Monats ein illegales Zeltlager auf dem Hertzbergplatz räumen lassen und die Obdachlosen mit Bussen zurück nach Rumänien geschickt.