Räumung in Kameruner Straße: Ein Ort „mafiöser Mietverhältnisse“

In Wedding hat am Montagmorgen die Räumung eines  heruntergekommenen Wohnhauses in der Kameruner Straße Ecke Lüderitzstraße begonnen. Die Polizei ist seit 9 Uhr mit 120 Beamten im Einsatz und leistet Amtshilfe für das Bezirksamt Mitte.

Nach Erteilung des Räumungsbefehls betraten Polizisten in weißen Schutzanzügen das vermüllte Haus. Viele der Beamte trugen wegen der gesundheitlichen Gefährdung einen Mundschutz. Fenster und Türen wurden nach der Räumung mit Spanplatten verschlossen, damit niemand mehr ins Haus kommt.

Katastrophale Zustände

„Die Räumung des Gebäudes ist als Maßnahme der Gefahrenabwehr und insbesondere aus Gründen des Gesundheitsschutzes für die Bewohnerinnen und Bewohner des Gebäudes zwingend erforderlich“, erklärte Ephraim Gothe, Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung, Soziales und Gesundheit.

Das Haus war immer wieder in die Schlagzeilen geraten, weil die mehr als 100 Mieter aus Bulgarien und Rumänien nach Ansicht des Bezirksamtes in prekären Verhältnissen leben. Müll stapelte sich im Hof, von Rattenbefall war die Rede.

Illegale Vermietungen

Eddy Cakal betreibt seit zweieinhalb Jahren ein Café in dem Wohnhaus. Er sagt, die Zustände seien katastrophal. „Das waren hier mafiöse Mietverhältnisse, die nicht tragbar waren. Hier wurden Wohnungen illegal an Zigeuner vermietet“, erklärte Cakal der Berliner Zeitung. Jede Nacht seien andere Osteuropäer gekommen, die in dem Haus Unterschlupf suchten. „Die Verwahrlosung hat immer mehr zugenommen“, so Cakal.

Die Fassade des Eckhauses lässt nicht darauf schließen, wie es im Innenhof und im Inneren des Hauses zugeht. Überall an den Wänden gebe es Schimmel. Immer wieder gebe es Probleme mit dem Strom und der Wasserversorgung. Laut Bezirk war unter anderem die Trinkwasserversorgung durch die Berliner Wasserbetriebe eingestellt worden. Eine Wiederherstellung der Frischwasserzufuhr sei wegen der erforderlichen Sanierungen aber nicht möglich gewesen.

Der Bezirk teilte am Montag mit, dass man seit geraumer Zeit den Dialog zum Eigentümer des Grundstückes gesucht habe. Es wurde versucht, vermehrt darauf aufmerksam zu machen, dass das Gebäude dringend instand gesetzt werden müsse.„Hierbei ist es auch bereits zu umfangreichen Ersatzvornahmen durch die Bau- und Wohnungsaufsicht gekommen, die den Gesamtzustand des Grundstückes jedoch nicht wesentlich verbessern konnten“, erklärte Gothe.

Die Räumung am Montag solle nach Angaben des Bezirks die Bewohner und das Gebäude schützen. Laut Gothe wolle man nun weiter versuchen, mit dem Hauseigentümer ins Gespräch zukommen. Der Arzt, der in Berlin mehrere Häuser hat, steht im Ruf, sie verkommen zu lassen.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Fassung des Textes war zu lesen, in dem Haus würden 50 Kinder leben. Dies ist nicht korrekt. Der Artikel wurde entsprechend angepasst. Wir bitten um Entschuldigung.