Berlin - Die zerstrittene Grünen-Fraktion hat sich am Freitag erneut um eine Lösung des Konflikts zwischen dem „linken“ Flügel und dem „Realo“- Flügel bemüht. Nach übereinstimmenden Aussagen von Kombattanten beider Seiten verliefen die Gespräche in „konstruktiver Atmosphäre.“ „Wir gehen aufeinander zu“, sagte die linke Abgeordnete Heidi Kosche. Details wurden nicht mitgeteilt.

Fraktionschefin Ramona Pop, die die Fraktion nach dem Rücktritt von Volker Ratzmann zurzeit allein führt, zeigte sich wie Kosche zuversichtlich, „dass wir am kommenden Dienstag einen arbeitsfähigen Vorstand wählen werden“. Die Zuversicht erstreckt sich aber zunächst nur auf drei offene Stellvertreterpositionen und den Posten des Parlamentarischen Geschäftsführers, für den sich Heiko Thomas bewirbt. Ihm werden aufgrund seiner Kompetenz (er war schon Geschäftsführer) gute Chancen gegeben, Stimmen aller Flügel zu bekommen.

Nach einem Nachfolger für Volker Ratzmann wird noch fieberhaft gesucht. Wird man einen finden, der flügelübergreifend kompatibel ist? „Die Erwartung kann man haben“, sagte Dirk Behrendt, Fürsprecher der Linken nach der Sitzung, „aber sicher ist nichts.“ Man werde am Wochenende ein Personaltableau entwerfen. Dem Vernehmen nach will sich Anja Kofbinger bewerben, Linke aus Neukölln. Die gelernte Vermessungstechnikerin engagiert sich seit 2006 im Parlament für die Themen Frauen, Lesben, Schwule und Arbeitslose und firmiert auf ihrer Website als „Abgeordnete der Herzen“. Ob sie die Herzen der Realos erwärmen kann, gilt als fraglich. Wenn nicht, gibt es die Überlegung, auf absehbare Zeit auf die übliche Doppelspitze zu verzichten, Pop wäre dann allein Chefin. Unwahrscheinlich ist das nicht. Zwei Abgeordnete, die als Kompromisskandidaten gehandelt wurden, haben am Freitag abgesagt. Thomas Birk und Stefan Gelbhaar treten nicht für die Ratzmann-Nachfolge an.