Es war ein Kompliment, das wohl so geschmeidig wie Öl herunterging: „Brooklyn, das ist das Berlin Amerikas“, sagte Eric Adams, erster schwarzer Bürgermeister Brooklyns, bei der Eröffnung des Berlin-New York Business Forums in New York am Montag. Heißt wohl: Jung und hipp, mit viel Grün, Kreativität und Technologie. Und vielleicht cool – Brooklyn ist auch bekannt für seine Kunst- und Musikszene. Ein bisschen wie Berlin eben. Nur dass allein im Stadtteil Brooklyn schon 2,5 Millionen Menschen leben.

Berlin und New York wollen voneinander lernen

Aber da ist noch mehr, da soll noch viel mehr entstehen, als nur ein diffuses Gefühl von Verbundenheit. Um Gemeinsamkeiten und Kooperationen zwischen den beiden Metropolen soll es bei dem Austausch an der Ostküste der USA gehen, zu dem Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) und eine rund 50-köpfige Berliner Delegation in dieser Woche gereist sind, um mit verschiedenen lokalen Partnern und Akteuren in Kontakt zu kommen. „Visionäre Städte und gemeinsame Lösungen“ – unter diesem Motto wollen Berlin und New York voneinander lernen, denn wie die meisten Großstädte stehen auch diese beiden Metropolen in Sachen Klimaschutz, Verkehr oder Digitalisierung vor ähnlichen Herausforderungen und großen Veränderungen, die Chance und Risiken gleichermaßen bergen.

„Unsere Städte sind in vielerlei Sicht vergleichbar“, betonte auch Pop bei ihrem Eingangsstatement beim Forum. Auch wenn Berlin natürlich viel kleiner sei als New York, seien es doch ähnliche Themen, die beide Städte verbinde – zum Beispiel im Bereich Technologie, Künstlicher Intelligenz, Cybersicherheit, Fintech (Finanztechnologie) oder Biowissenschaft. Der Besuch in New York sei daher ein wichtiger Schritt, sich vor allem im Bereich Wirtschaft noch stärker zu vernetzen und noch besser miteinander zu kooperieren. „Darum haben wir für unseren Besuch New York ausgewählt, wir wollen Brücken bauen, statt Mauern zu errichten“, erklärte Pop.

Auch wenn Brooklyns große Schwester Manhattan klarer Spitzenreiter in Sachen Technologie ist – 83 Prozent aller Tech-Jobs befinden sich dort – ist Brooklyn das am schnellsten wachsende Tech-Areal in New York. Auch Ramona Pop betonte, wie wichtig der Sektor in der Berlin sei. In Berlin wird alle 14 Stunden ein Start-Up gegründet. Die Stadt gilt als Gründungshauptstadt Deutschlands.

Pop will Headquarter von Start-Up-Plattform New Lab in Berlin

Doch Berlin will mehr, als nur geistig mit New York und Brooklyn verbunden sein. Pop warb am Montag dafür, dass die erfolgreiche New Yorker Start-Up-Plattform New Lab ein Headquarter in Berlin eröffnet. Mehrere Städte haben sich dafür beworben.

New Lab ist nicht irgendwer. 130 Start-Ups arbeiten in der riesigen, eindrucksvollen Halle, tüfteln an neuen Innovationen und Produkten, entwerfen Prototypen. Die Warteliste ist lang, nur zehn Prozent der Bewerber bekommen den Zuschlag, hier überhaupt arbeiten zu dürfen. Auch die roten Uber-E-Fahrräder „Jump“, die in Berlin fahren – oder wahlweise mit zerstochenen Reifen stehen – wurden in dieser kreativen Erfinderwerkstatt entwickelt.

Zwei Kooperationsverträge wurden zudem am Montag in New York unterschrieben. So wollen der Verband der Digitalwirtschaft in Berlin und Brandenburg SIBB und die amerikanisch-israelische Innovationsplattform Sosa ihre transatlantische Zusammenarbeit der IT-Industrie auf beiden Seiten stärken. Sosa ist ein globales Netzwerk mit Sitz in Tel Aviv und New York, das 15.000 Start-Ups und rund 250 Investoren unter einem Dach vereint.

Austausch bei Themen rund um Blockchain, KI und Daten

Auch zwischen der Tegel Projekt GmbH, Berlin Partner und der New York University wurde eine Kooperationsvereinbarung geschlossen. Schwerpunkt ist der Austausch bei Themen rund um Blockchain, Künstlicher Intelligenz und Daten.

Aber natürlich eint die beiden Städte noch mehr. Während in Berlin Verkehrssenatorin Regine Günther (Grüne) am Montag eine Studie präsentierte, die den Ausstieg aus der Kohle bis 2030 für möglich hält, hat auch New York sich mit dem „Green New Deal“ strenge Klimaschutzziele gesetzt. So will New York bis 2030 mindestens 30 Prozent seiner Treibhausgasemissionen gesenkt haben. Wichtiger Bestandteil dieses Plans sind die Auflagen zur energieeffizienten Sanierung der vielen Wolkenkratzer der Stadt. IHK-Präsidentin Beatrice Kramm hofft, dass bei den Ausschreibungen zur Gebäudesanierung auch die Berliner Wirtschaft zum Zuge kommt, „schließlich haben die Berliner Unternehmen viel KnowHow bei der energetischen Gebäudesanierung“.

Beim Spaziergang mit Eric Adams, der genau wie Pop als nächster Anwärter für das Amt des Bürgermeisters im Gespräch ist, erkennt man aber auch schnell, wie unterschiedlich Städte wie New York und Berlin dann eben doch sind. Adams schlängelt sich lässig an dem wilden Verkehr entlang. Der Tross eilt hinterher, leicht gestresst von der Wildheit der hupenden Autos, den schrillen Sirenen der Polizeiautos und vorbeifahrenden Radfahrer, für die Protected Bike Lanes wohl klingen müssen wie Geschichten von fernen Planeten.

Alles wirkt unübersichtlich, Adams dagegen gelassen. Der Verkehr kommt in New York fast immer zum Erliegen. Stau gehört hier zum Alltag. „Am Morgen, am Nachmittag, am Abend“, erzählt ein Taxifahrer einer der berühmten Yellow Cabs, die hier in der Stadt herumfahren. Der Berliner Verkehr – er würde wohl von Adams nur belächelt werden.