Der Mann, der stets seine Geduld und seine Lässigkeit betont, hat plötzlich keine mehr. Möbelmillionär und Unternehmer Kurt Krieger (Möbel Höffner) hat dem Senat ein Ultimatum gestellt. Sollte es in einem halben Jahr keine politische Entscheidung für sein Millionenprojekt Pankower Tor auf dem früheren Rangier- und Güterbahnhof Pankow geben, werde er dieses Projekt für die nächsten Generationen auf Eis legen. Erst sein Sohn, jetzt 13 Jahre alt, werde sich dann wieder mit der Entwicklung des 40 Hektar großen Geländes beschäftigen.

So hat es der Berliner Unternehmer kürzlich im Stadtplanungsausschuss Pankow angekündigt und auch erzählt, dass er an Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD) einen Brief mit all seinen Fragen geschrieben habe. Naturschützer würden sich über Kriegers Drohung freuen: Pankow hätte weitere Jahre eine große unbebaute Grünfläche.

Fünf Jahre lang dauern nun schon die Planungen für die Bebauung des einstigen Bahngeländes. 400 Millionen Euro will Krieger dafür investieren. Anfangs war inmitten des Geländes ein großer Erholungspark geplant, am U- und S-Bahnhof Pankow sollte ein Stadtplatz mit Läden und Büros entstehen, am anderen Ende ein Höffner-Möbelmarkt sowie Fachmärkte und ein 30.000 Quadratmeter großes Einkaufscenter. Um diese Größe gab es von Beginn an Streit, denn im Bezirk und im Senat gab es die Sorge, so ein Zentrum könne die bestehenden Läden gefährden. Krieger machte etliche Zugeständnisse: Er schenkte dem Land Berlin zwei Grundstücke, damit dort Schulen gebaut werden können. Er versprach dem Senat, von den 750 geplanten Wohnungen würden 250 eine moderate Miete von 5,50 Euro pro Quadratmeter kalt haben. Und es würden 1000 Arbeitsplätze entstehen. All das nützte nichts – die politischen Bedenken gegen das Einkaufscenter blieben.

Doch mittlerweile hat es einen Sinnes- und Kurswandel gegeben. Oder Kriegers Drohung hat gewirkt. Anfang Juni hat sich Stadtentwicklungssenator Geisel mit Pankower Bezirkspolitikern getroffen und sich auf ein Vorgehen geeinigt. „Das Verfahren kommt wieder in Gang, wir ziehen an einem Strang“, sagte Geisel am Donnerstag der Berliner Zeitung. In einer Verträglichkeitsstudie soll jetzt untersucht werden, wie sich ein neues Einkaufscenter am U-und S-Bahnhof Pankow auf den bestehenden Einzelhandel auswirken werde. „Wenn so ein Center verträglich ist, dann kann ich mir das gut vorstellen“, sagte Geisel. Weil immer mehr Menschen nach Pankow zögen, könne das Center die Bevölkerung besser versorgen. Als Ultimatum will er Kriegers Brief aber nicht verstanden wissen. „So etwas rate ich keinem.“

Auch im Bezirk Pankow ist man über die neuen Vereinbarungen erfreut. „Das neue Einkaufscenter ist kein Tabu-Thema mehr“, sagt der Stadtrat für Stadtentwicklung, Jens-Holger Kirchner (Grüne). Er werde jetzt an dem Projekt „unbeirrt weiterarbeiten“. Und Kurt Krieger? Der kann sich ja nun vielleicht doch noch den Wunsch erfüllen, sich mit dem Pankower Tor ein Denkmal zu setzen.