Rapper Big Tiba aus Berlin-Schöneberg: Er putzt im Rathaus und rappt über seinen Bezirk

Der Rap hat gelitten. Vor allem unter den Rappern. Grimmige Gestalten, die um jeden Preis schockieren und mimisch unter dem Motto unterwegs sind: Das reimt sich nicht, ich fress dich trotzdem!

Auf den langen Fluren des Schöneberger Rathauses kann man einer sympathischen Ausnahme begegnen. Hier verwandelt sich der Rapper Big Tiba, der sein eigenes rapperisches Schaffen mit der anschwellenden Weisheit seiner 31 Jahre inzwischen kritisch als „Hälfte Schweinkram“ einschätzt, nämlich arbeitstäglich in den Putzmann Michael Kompalla.

Imagefilm für Tempelhof-Schöneberg: Michael Kompalla rappt über seinen Heimatbezirk

Er dreht seine Runde durch die Büros, leert die Papierkörbe, fährt mit der Putzmaschine über die Flure. Dabei ist er dem charmanten Schwätzchen nebenbei nicht abgeneigt und allseits beliebt. Wobei seine Beliebtheit wohl gerade einem neuen Höhepunkt zustrebt, denn im Rathaus dürfte inzwischen jeder „4262 Berlin“, den neuen Imagefilm für Tempelhof-Schöneberg, gesehen haben.

Am Montag wurde Kompalla auf Arbeit jedenfalls mit Bemerkungen wie „unser Star!“ begrüßt. Er rappt im Film, dessen Titel sich von den alten Postzustellbezirken Tempelhof (42) und Schöneberg (62) ableitet, über seinen Heimatbezirk, bewegt sich dabei mit einer Gruppe von Freunden tanzend und im Parcours-Stil kletternd maximal cool durchs Revier. So geriet er auch in den Film.

Kompalla will weiter putzen: „So, wie es ist, ist es gut“

Kompalla leerte einen Büropapierkorb und wurde gefragt, ob er Parcours kann. Auf diese Weise erfuhr er vom Projekt Imagefilm und dem Stand der Planungen. „Musik war da nicht vorgesehen, die habe ich vorgeschlagen.“ Und dann auch gleich mit seinem Kumpel Chille aufgenommen. „Die Beats haben wir dazugekauft, aus dem Internet.“

Dann hat er sich im Oktober zwei unbezahlte Urlaubstage für die Dreharbeiten genommen – das musste schließlich alles seine Ordnung haben. Zusammen mit Chille hat Big Tiba gerade ein neues Video und die dazu gehörende EP „West-Berlin“ herausgebracht. Mal sehen, vielleicht entfaltet der Film über den Heimatbezirk ja eine gewisse Werbewirkung.

Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler (SPD) muss sich übrigens nicht davor fürchten, dass Putzmann Micha plötzlich eigene Ambitionen in der Lokalpolitik entdeckt und ihr bei der nächsten Wahl Konkurrenz macht. Er will weiter putzen: „So, wie es ist, ist es gut.“