Berlin„Lappen, Fanboy, neidischer Schwanz, Idiot“ – mit diesen Worten soll der Rapper Fler einen Polizeibeamten beleidigt haben. Es ist nur ein Vorwurf, weswegen sich Patrick Losensky, so der bürgerliche Name des 38-Jährigen, seit diesem Mittwoch vor dem Amtsgericht Tiergarten verantworten muss. Mehrere Anklagen verliest die Staatsanwältin. Die Liste der Vorwürfe ist beeindruckend: Es geht unter anderem um Beleidigung, Nötigung, Drohung mit einem „Hausbesuch“ bei einem nicht genehmen Journalisten und wüste Beschimpfungen gegen seinen Kollegen Bushido und dessen Frau. Zudem soll er eine  Frau als „Stück Scheiße“ bezeichnet haben.

Gegen Fler wird im Saal 500 verhandelt. Es ist der Schwurgerichtssaal des Kriminalgerichts, in dem normalerweise das Amtsgericht Tiergarten nicht prozessiert. Doch wegen des großen Interesses an dem Verfahren gegen den Rapper ist das erweiterte Schöffengericht in einen der größten Säle umgezogen.

An diesem ersten Verhandlungstag kommen Polizeibeamte zu Wort, die bei einer Verkehrskontrolle im September 2019 dabei waren. Dabei soll Fler ohne Führerschein unterwegs gewesen sein und einen Beamten beleidigt haben. Einer Polizistin drohte er zudem an, ihr den Kopf wegzutreten. Dem aggressiv auftretenden Fler wurden damals Handschellen angelegt. Die Szenerie ist festgehalten: Die Freundin des Rappers drehte sie mit dem Handy und stellte das minutenlange Video ins Netz. 1,4 Millionen Menschen klickten den Film bisher an.

Der Polizist Stefan Z. sagt als Zeuge, er fühle sich in seiner Ehre verletzt. Es störe ihn sehr,  dass so viele Menschen im Netz sehen konnten, wie er beleidigt worden sei. Der 32-Jährige erzählt auch, wie es zu der Verkehrskontrolle kam. Zwei Tage zuvor sei den Beamten in einer Mail mitgeteilt worden, dass Losensky ohne Führerschein und vermutlich mit einem auffälligen weißen Mercedes unterwegs sei und man die Augen aufhalten solle. Dass Losensky ein bekannter Rapper sei, habe er nicht gewusst, beteuert Stefan Z. 

Flers Anwalt Stefan König will das so recht nicht glauben. Schließlich lege die Mail nahe, dass die Beamten genau gewusst hätten, wer im Auto gesessen habe. Offenbar sei gezielt nach seinem Mandanten gesucht worden. „Dieser Polizeieinsatz war rechtswidrig“, erklärt König. Die Fesselung seines Mandanten nennt er eine rechtswidrige Freiheitsberaubung. Dies müsse bei der Bewertung berücksichtigt werden.

Fler schweigt zu allen Vorwürfen. Sein Anwalt verweist dagegen auf die Meinungsfreiheit. Der Anstands- und Ehrenkodex eines Teils der Gesellschaft dürfe im Prozess nicht zum Maßstab gemacht werden. Beleidigungen im Rappermilieu seien Ausdruck künstlerischer Freiheit. Es sei wie beim Boxen. Ein Boxer könne schließlich nicht in den Ring steigen und dann seinen Gegner wegen Körperverletzung anzeigen.

Der Prozess wird fortgesetzt. Flers Kollege Bushido soll Mitte Dezember als Zeuge gehört werden.