Berlin - Es mag Leute geben, die halten Berlin angesichts der an- und abschwellenden Misere von Hertha BSC und der andauernden Zweitligahaftigkeit des 1.FC Union für eine Stadt ohne erstklassige Fußballkultur. Denen sei das Buch „Rasen der Leidenschaften – Die Fußballplätze von Berlin, Geschichte und Geschichten“ empfohlen.

Den Anfang nahm „die Engländerei“, wie der Fußball wegen seiner Herkunft genannt wurde, in Berlin auf dem Tempelhofer Feld. Seit 1880 wurde dort auf zwischenzeitlich mehreren Dutzend Plätzen gekickt – nur ein Streifen musste ganzjährig freibleiben. Auf dem exerzierten die kaiserlichen Truppen, schließlich galt das 100 Hektar große Gelände im 19. Jahrhundert als größter Exerzierplatz des Landes. Fußball gespielt wurde unter abenteuerlichen Umständen. Weil es keine festen Spielfelder gab, mussten zu jeder Partie Tore und Eckfahnen eigens auf- und wieder abgebaut werden.

So kam es, dass die Clubs, die auf dem Tempelhofer Feld kickten, in den umliegenden Kneipen von Neukölln und Kreuzberg heimisch waren. Dort zogen sie sich zu den Matches um, und dort bewahrten sie auch das benötigte Equipment wie Pfosten, Latte, Fahnenstange, Kreideeimer und Kasse auf, das sie am Spieltag hin und her schleppten.

Der Bau des Zentralflughafens in den 20er-Jahren des 20. Jahrhundertes beendete die Fußballerei, so musste ein kurz zuvor eröffnetes Stadion für 40 000 Zuschauer des noch heute existierenden BFC Preußen abgerissen werden. Auch der erste Deutsche Meister, der BFC Viktoria 89, nahm in Tempelhof seine Anfänge. Später legten sich die Clubs andernorts eigene Plätze zu.

Tempelhof das Fußball-Mekka

Dank der Fliegerei in Tempelhof gebührt dem Friedrich-Ludwig-Jahn-Stadion in Prenzlauer Berg der Titel des ältesten, durchgehend genutzten Fußballplatzes des Landes. Dort, westlich der Schönhauser Allee, befand sich im 19. Jahrhundert ebenfalls ein kaiserlicher Paradeplatz, der Exerzierplatz Einsame Pappel. Seit 1890 wurde auf dem „Exer“, wie das Stadion heute noch manchmal genannt wird, gekickt.

War Tempelhof das Fußball-Mekka des Berliner Südens, war der Exer das des Nordens. Hertha (damals noch der FC von 1892) oder Tennis Borussia haben dort ihre ersten Spiele ausgetragen. Schon einen Monat nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurde auf dem Exer wieder Sport getrieben, in den 50er-Jahren entstand schließlich der Jahn-Sportpark.