Unfassbare Szenen in Cottbus: Mitten in der Stadt fährt ein Auto eine junge Frau an. Doch statt Erste Hilfe zu leisten, verhöhnen die Insassen das Unfallopfer aus Ägypten. Die 22-jährige Gaststudentin stirbt Tage später an den Folgen ihrer Verletzungen.

Der Unfall ereignete sich bereits am Ostersamstag vor der Cottbusser Stadthalle. Gegen 0.30 Uhr wartete die junge Frau mit zwei Freunden an einer Tramhaltestelle. Als sie unvermittelt auf die Straße tritt, wird sie von dem Auto eines 20-jährigen aus Dresden erfasst.

Erst Tage später wird bekannt, was sich danach abspielte. Eine 19-jährige Schülerin schilderte ihre Beobachtungen der Lausitzer Rundschau. Demnach stoppte der Unfallwagen nach dem Aufprall, die Insassen stiegen aus und beleidigten die am Boden liegende, blutüberströmte Frau rassistisch.

"Verpisst Euch doch einfach wieder in Euer Land"

Dabei sollen Sätze gefallen sein wie: "Mir ist klar, dass es bei Euch keine Straßen gibt, aber in Deutschland muss man eben auf die Straße gucken." Oder "Verpisst Euch doch einfach wieder in Euer Land, dann werdet Ihr auch nicht angefahren – Scheißasylanten."

Aufgrund dieser Zeugenaussage hat die Staatsanwaltschaft Cottbus inzwischen ein Ermittlungsverfahren wegen des Vorwurfs der Volksverhetzung und Beleidigung eingeleitet worden. Die Staatsanwaltschaft sprach mit der Abiturientin und ihrem Begleiter. Beide seien bei der Vernehmung bei ihren Aussagen geblieben, sagte die Sprecherin.

Außerdem sollen weitere Zeugen vernommen werden, wie Behördensprecherin Petra Hertwig am Donnerstag mitteilte. Unter anderem kämen diese aus der Gruppe, mit der die Studentin kurz vor dem Unfall unterwegs war. 

Wie es zu dem Unfall in der Tempo-30-Zone kam, wird derzeit noch untersucht. Der Leichnam der jungen Frau wurde nach Ägypten überführt. Die Cottbuser Uni teilte mit, dass sie um die getötete Gast-Studentin trauere und den Kommilitonen zur Seite stehen wolle, die dieses Ereignis miterlebt haben.

Unfassbar und abscheulich

Brandenburgs Wissenschaftsministerin Martina Münch (SPD) forderte eine schnellstmögliche Aufklärung des Vorfalls. „Dass eine junge, tödlich verletzte Frau mitten in Cottbus nach einem Unfall noch fremdenfeindlich und rassistisch beleidigt wird, ist unfassbar und abscheulich“, sagte Münch am Donnerstag in einer Mitteilung. „Wenn die Vorwürfe so zutreffen, ist dieser Vorfall eine Schande.“

Münch, die selbst Cottbuserin ist, betonte, dass ausländische Studierende, Lehrende und Forscher in der Stadt und in Brandenburg willkommen seien.

Die Grünen-Fraktion im Potsdamer Landtag kündigte an, den Vorfall im Innenausschuss am 11. Mai thematisieren zu wollen. (mit dpa)